Washington. (dpa) Drei der wichtigsten US-Präsidenten der vergangenen Jahrzehnte waren zuvor Gouverneure: Ronald Reagan (Kalifornien), Bill Clinton (Arkansas) und George W. Bush (Texas). Gouverneure sind die kleinen US-Präsidenten. Mit geballter Macht in ihren Staaten - und nicht selten darüber hinaus. 2014 ist ein Superwahljahr für sie.

Gleich 38 von 55 Gouverneuren (in 35 Staaten und drei Territorien) werden neu gewählt. Am interessantesten:

In Kalifornien will Jerry Brown wiedergewählt werden. Der 76 Jahre alte Demokrat ist der älteste unter den Gouverneuren und war bereits von 1975 bis 1983 erster Mann in Kalifornien - als Nachfolger von Ronald Reagan. Jetzt ist er Nachfolger eines anderen Republikaners, Arnold Schwarzenegger. Sein Gegenkandidat ist Neel Kashkari, der 41 Jahre alte Sohn armer Einwanderer aus Kaschmir. Umfragen zufolge hat der liberale Republikaner - Kashkari ist für Schwulenehe und Einwanderung - aber wenig Chancen, Brown führt mit großem Vorsprung.

Auch New York wird gerade demokratisch regiert. Andrew Cuomo (56) hat seit 2010 das Amt inne, das sein Vater Mario von 1983 bis 1994 bekleidete. Cuomo (Foto) ist beliebt, aber nicht unumstritten. Sein Herausforderer Rob Astorino (47) verfolgt ein traditionell republikanisches Programm mit Steuersenkungen und Wirtschaftsförderung. Es gibt noch einen dritten nennenswerten Kandidaten, der allerdings wenig Chancen hat. Howie Hawkins (61) ist Aktivist von Sozialisten und Grünen. Auch wenn Cuomos Vorsprung kräftig schrumpft, führt er in den Umfragen.

In Texas geht Amerikas dienstältester Gouverneur. Rick Perry (64) war 2000 George W. Bush gefolgt, als der Präsident wurde. Nach drei Amtszeiten tritt der Rechtsaußen nicht erneut an, die Republikaner schicken Greg Abbott (56) ins Rennen, quasi den Justizminister von Texas. Auch andere Parteien haben Kandidaten benannt, eine Chance hat aber höchstens noch die demokratische Senatorin Wendy Davis (51). Sie liegt in Umfragen aber immer mindestens zehn Prozentpunkte hinter Abbott.

Wisconsin Gouverneur Scott Walker (46) sagte beim Amtsantritt vor vier Jahren der dpa, er wolle, dass sein Staat "mehr wie Deutschland, weniger wie Griechenland" sei. Sein harter Sparkurs wurde aber von vielen als unsozial kritisiert und es gab sogar ein Abwahlbegehren, das allerdings scheiterte. Jetzt stellt sich Walker zur Wiederwahl, Mary Burke (55) will ihm das Amt streitig machen. Es wird spannend: In Umfragen hat Walker nur einen hauchdünnen Vorsprung.

In Floridaregieren seit 1999 die Republikaner, aber Amtsinhaber Rick Scott (61) bekommt es nun mit einem alten Bekannten zu tun: Charlie Christ (58) (Foto) von den Demokraten war 2006 zum Gouverneur gewählt worden - als Republikaner. In Umfragen lagen beide lange gleichauf, zuletzt hatte Christ einen hauchdünnen Vorsprung.

Einige Staaten sind Swing States, die bei Präsidentschaftswahlen mal an die eine, mal die andere Partei fallen. In Pennsylvania will der Republikaner Tom Corbett (65) eine zweite Amtszeit, sein demokratischer Herausforderer Tom Wolf (65) liegt in Umfragen aber erheblich vor ihm. Auch in Colorado könnte es einen Wechsel geben, weil in Umfragen Bob Beauprez (66) von den Republikanern vor dem demokratischen Amtsinhaber John Hickenlooper (62) führt.

Außerdem werden in der US-Hauptstadt Washington und in 172 weiteren Städten über die Bürgermeister abgestimmt. In Washington, wo der Demokrat Vincent Gray nach vier Jahren aus dem Amt des Bürgermeisters scheidet, treten die Demokratin Muriel Bowser und die beiden unabhängigen Kandidaten David Catania und Carol Schwartz gegeneinander an. In Washington leben rund 640.000 Menschen - etwa die Hälfte davon sind Afroamerikaner. Die Stadt bildet einen eigenen Bundesdistrikt und ist dem Kongress der Vereinigten Staaten direkt unterstellt.