Die Perser sehen sich schon aufgrund ihrer Geschichte als Regionalmacht. Als Ventil dient ihnen der "schiitische Halbmond": Die Länder Bahrain, Iran, Irak und Libanon bilden einen Halbmond. Doch auch im Jemen unterstützt Teheran die Schiiten gegen die sunnitischen Kräfte des Landes. Der schiitische Halbmond wird vom Gottesstaat genutzt, um die Regionalmacht des Iran und den Einfluss der Schiiten als Gegenpol zu den von Saudi-Arabien gelenkten Geschicken der sunnitischen Mehrheit innerhalb der Muslime der Region zu stärken.

Die wichtigste Stütze Teherans in der Region ist Syrien. Das Land hat zwar keine schiitische Bevölkerungsmehrheit und zählt daher nicht zum schiitischen Halbmond, wird aber von einer kleinen schiitischen Elite, die den Alawiten angehört, geführt.

Das seit mehreren Jahren von einem durch Proteste gegen Präsident Bashar al-Assad ausgelösten blutigen Bürgerkrieg zerrissene Land unterhält enge Beziehungen zum Iran. Der umstrittene syrische Machthaber Assad, selbst ein Alawit, sorgt dafür, dass der Iran seine Interessen in der Region verfolgen kann. Die Islamische Republik greift Assad regelmäßig tatkräftig unter die Arme. Zudem streckt Teheran die Fühler in die schiitisch geprägten Länder in der Region also nach Bahrain, in den Libanon und nach Aserbaidschan aus.

Da die von Iran unterstützte schiitische Hisbollah im Libanon politisch sehr aktiv ist, dient er für die Umsetzung der Ziele Teherans. Erst im Oktober bekam die Hisbollah von Teheran ein riesiges Unterstützungspaket.

Sunniten wollen iranischen Einfluss zurückdrängen


Nach dem Arabischen Frühling und der Entmachtung der Herrscher in Ägypten, Tunesien, im Jemen und in Libyen, den misslungenen US-Operationen in Afghanistan und dem Irak sowie der Syrienkrise sprechen Experten neben dem schiitischen Halbmond auch vom "sunnitischen Dreieck" mit der Türkei, Saudi-Arabien und Ägypten. Trotz ihrer unterschiedlichen Interessen verfolgen die drei Länder ein gemeinsames Ziel: das Zurückdrängen des Iran in der Region.

Wer den Schlagabtausch Riad-Teheran letztlich für sich entscheiden wird, hängt auch davon ab, ob der Atomstreit zwischen dem Westen und dem Iran bis zur Deadline am 24. November nach elf Jahren mit einem endgültigen Abkommen gelöst werden kann.

Gibt es einen greifbaren Konsens zwischen der internationalen Gemeinschaft und Teheran, würde Irans Einfluss mit dem Ende der westlichen Wirtschaftssanktionen rasant steigen. Scheitern die Verhandlungen hingegen, wird Saudi-Arabien weiterhin von der eher distanzierten Politik des Westens gegenüber den Persern profitieren.