Washington/Wien. Vor zwei Jahren war noch alles anders. Nach der Präsidentenwahl, die in Bausch und Bogen verloren ging, schlitterten die Republikaner in eine existenzielle Krise. Jetzt stehen sie plötzlich als strahlende Sieger da. Im November 2012 präsentierte sich die "Grand Old Party" (GOP) noch als Partei von gestern, die für die Mehrheit der Amerikaner nicht mehr wählbar ist. Das schon deshalb - hieß es -, weil der traditionelle Werte-Kanon nur noch für den republikanischen "Wasp" - also weiß, Mittelklasse, protestantisch und männlich - attraktiv sei. Eine Gattung, die zwar nicht vom Aussterben bedroht, aber doch im Abnehmen sei. Das Bevölkerungssegment der Senioren, weißen Arbeiter, Waffenbesitzer und Landbewohner, auf das die Republikaner sicher bauen könnten, stelle keine Mehrheit mehr sicher. Den Stadtbevölkerungen, der Latino- und afro-amerikanischen Minderheiten und damit den Demokraten gehöre die Zukunft, hieß es.

Weiße und ländliche Bevölkerungsmehrheit


Was ist also geschehen? Laut Wählerstromanalyse verdanken die Republikaner ihren Sieg just jenen weißen, älteren Männern, die bei den Präsidentschaftswahlen 2012 das Ruder nicht herumreißen konnten. Die klassische Klientel der Republikaner ging bei den Midterms zu den Urnen und machte ihrem Unmut Luft. In manchen Bundesstaaten gewannen die Republikaner auch bei den schwarzen Wählern dazu - diese Steigerung blieb aber marginal. Immerhin hat sich die GOP dieser Bevölkerungsgruppe in Teilbereichen geöffnet - ein neuer schwarzer Senator, Tim Scott aus South Carolina, und eine schwarze Kongressabgeordnete, Mia Love aus Utah, legen Zeugnis darüber ab. Auch ist es den Republikanern gelungen, die Fehler vergangener Jahre bei der Kandidaten-Aufstellung zu vermeiden, man konnte mit ansprechend wirkenden Persönlichkeiten punkten. Die Demokraten legten bei der weiblichen Wählerschaft und zum Teil bei den Jungen zu - allerdings nicht genug.

Das Ergebnis der Zwischenwahlen bedeutet jedenfalls nicht, dass die USA plötzlich konservativer geworden sind. Afroamerikaner, Latinos, Junge, jüdische Amerikaner und Homosexuelle, die normalerweise die Demokraten wählen, werden das laut Prognose auch bei den Präsidentschaftswahlen in zwei Jahren mehrheitlich tun. Bei den Midterms kamen diese Wählergruppen nicht zum Tragen - auch deshalb, weil viele der umkämpfen Sitze in der Mitte des Landes liegen, wo die Bevölkerungsmehrheit eher weiß und weniger urban ist.