Beirut. Die Brutalität und Grausamkeit, die eine unabhängige Untersuchungskommission in einem Bericht für den UN-Menschenrechtsrat erst jüngst detailliert festgestellt hat, kann auch die eigenen Mitglieder der Terrormiliz IS (Islamischer Staat) treffen. Nach verschiedenen Berichten wurde ein hochrangiges Mitglied wegen Diebstahls und Unterschlagung getötet. Der Mann sei in der ostsyrischen Provinz Deir al-Zor geköpft und gekreuzigt worden, berichtete die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag.

Nach ihren Angaben veröffentlichte die IS-Terrormiliz ein Foto von dem an einem improvisierten Kreuz hängenden Toten. Die Strafe wurde angeblich von IS-Führer Abu Bakr al-Baghdadi selbst angeordnet.

Unklar war zunächst, welche Funktion der Getötete innerhalb des IS innehatte und wann genau er exekutiert wurde. Über seinen Tod wurde auch von anderen Aktivisten sowie innerhalb der sozialen Netzwerke berichtet. Sein Name wurde mit Jalaybeeb Abu Muntather angegeben, er soll aus Syrien stammen.

Hundertausende Menschen betroffen
Die Radikalislamisten des IS richten regelmäßig Menschen für die verschiedensten Vergehen hin. Oftmals reicht es, wenn die Opfer gegen die extreme Interpretation des islamischen Rechts verstoßen haben.

Dem IS-Terror seien im Nordosten Syriens Hunderttausende Menschen schutzlos ausgesetzt, heißt es in dem Menschenrechtsbericht. Die sunnitischen Extremisten vergingen sich an ihren Opfern mit Massenmorden, willkürlichen Hinrichtungen, Amputationen, Vergewaltigungen, sexueller Versklavung, Folterungen und Vertreibungen.

"Die Brutalitäten und das ganze Ausmaß der Misshandlungen sind darauf ausgerichtet, die absolute Macht dieser Gruppe über das politische und soziale Leben durchzusetzen und die Gemeinden unter ihrer Kontrolle zum Gehorsam zu zwingen", heißt es. Auch Kinder und Frauen seien von den Extremisten in Nordost-Syrien geköpft, erschossen oder gesteinigt worden.

Zur Rechtfertigung der Grausamkeiten erkläre die Miliz ihre Opfer zu Ketzern. Dabei gilt laut UN-Ermittlern der Grundsatz: "Man ist schuldig, solange man nicht seine Unschuld beweisen kann." Sie stützen sich auf Aussagen von mehr als 300 Zeugen, die vor dem IS in Nachbarländer geflohen sind oder immer noch in seinem Herrschaftsbereich leben.

Die Untersuchungskommission macht auch darauf aufmerksam, dass bei Angriffen durch Kampfflugzeuge der USA und ihrer Verbündeten auf die IS-Terroristen Unschuldige getötet wurden. Die Milizionäre würden sich oft direkt neben zivilen Einrichtungen verschanzen.