Finanziert das Abdullah-Zentrum (Kaiciid): Saudi Arabiens König Abdullah. - © ap/Brendan Smialowski
Finanziert das Abdullah-Zentrum (Kaiciid): Saudi Arabiens König Abdullah. - © ap/Brendan Smialowski

Wien. Zwei Jahre nach seiner Gründung möchte das umstrittene Abdullah-Dialogzentrum (Kaiciid) in Wien mit einer zweitägigen Konferenz unter dem Titel "Vereint gegen die Gewalt im Namen der Religion" am Dienstag und Mittwoch nach wochenlanger öffentlicher Kritik beweisen, dass es "sehr wohl etwas tue gegen die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat".

Unter den Kritikern war auch Außenminister Sebastian Kurz: Das Wiener Zentrum solle kein Feigenblatt sein. Der Erfolg des Kaiciid messe sich letztlich daran, inwieweit der gegenseitige Respekt der Religionen auch in die Tat umgesetzt werde. Die freie Ausübung der Religion sei in Saudi-Arabien bis dato rechtlich nicht realisiert", so der Seitenhieb.

Am gestrigen ersten Tag der Tagung, der nicht medienöffentlich war, versammelten sich laut Angaben der Veranstalter zum ersten Mal seit 20 Jahren hochrangige Religionsführer und politische Entscheidungsträger im noblen Wiener Hotel Hilton, um eine vereinte Front gegen die im Namen von Religion verübte Gewalt zu formen. An Kosten und Mühen wurde jedenfalls nicht gespart. Die Agenda der Veranstaltung mit mehreren Ministern und führenden Religionsvertretern des Nahen und Mittleren Ostens ist jedenfalls ehrgeizig. "Die Konferenzteilnehmer werden Handlungsfelder gegen die Gewalt im Namen der Religion identifizieren. Interreligiöser Dialog kann und muss zur Bekämpfung von religiösem Extremismus, wie er vom IS und anderen Gruppen praktiziert wird, einen wichtigen Beitrag leisten", so Vertreter des Kaiciid.

Im Mittelpunkt werden laut Ankündigungsfolder die Stimmen aus jenen Regionen stehen, die besonders stark von den gewalttätigen Entwicklungen betroffen sind. "Insbesondere das durch die aktuelle Gewalt besonders betroffene Volk der Yeziden droht aus der öffentlichen Aufmerksamkeit Europas zu fallen. Die Konferenz wird das Schicksal dieses und anderer Völker wieder stärker ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Ein besonderes Anliegen gilt der Vernetzung von politischen Entscheidungsträgen mit hohen religiösen Würdenträgern", so die Veranstalter, die auch konkrete Ergebnisse erzielen wollen:

Einerseits sollen erstmals Religionsführer unterschiedlicher Glaubensrichtungen eine einheitliche Deklaration gegen die Gewalt und für aktives Auftreten gegen Hass und Extremismus verabschieden. Ferner solle die Konferenz bestehende Initiativen für sozialen Zusammenhalt, Pluralismus und Vielfalt auf lokaler und nationaler Ebene vorstellen und Empfehlungen geben, wie diese Initiativen unterstützt werden können. Aber auch Projekte zur Deradikalisierung und Extremismusprävention in den sozialen Netzwerken sollen thematisiert werden.

Am heutigen Mittwoch ist die Konferenz medienöffentlich: Religiöse Führer, Internationale Organisationen, Regionale Führer aus Syrien und dem Irak und Experten werden sich mit der IS-Problematik und dem Kampf gegen den Terrorismus beschäftigen.

KAICIID

(af) Das "König Abdullah Bin Abdulaziz Zentrum für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog" (Kaiciid) wurde vor zwei Jahren gegründet und wird größtenteils von Saudi-Arabien finanziert (mit 14 bis 16 Millionen Euro pro Jahr). Kritiker sehen in der Institution, die einen Status als internationale Organisation innehat, einen Versuch Riads, sein international wegen Menschenrechtsverletzungen ramponiertes Image aufzupolieren.

Kaiciid wird von einem Board of Directors geleitet, das aus Vertretern der großen Weltreligionen (Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus) und Kulturen besteht. Das Dialogzentrum wird von den Regierungen von Saudi-Arabien, Spanien und Österreich, von denen jede im Council of Parties des Zentrums vertreten ist, unterstützt. Auch der Vatikan kooperiert eng mit dem Institut.