Washington. Reue kennt Dick Cheney, der damalige Vize von George W. Bush und mitverantwortlich für die US-Folterpraktiken gegenüber muslimischen Terrorverdächtigen, keine. Schon als der CIA-Bericht des Senats zu Wochenbeginn mit Einverständnis des Bush-Nachfolgers Barack Obama veröffentlicht wurde, verteidigte der einstige Chefideologe des US-Krieges gegen den Terror die damalige Behandlung von potenziellen Staatsfeinden. In einem Interview mit dem US-Sender Fox News legt der für seine grobschlächtige Art bekannte Republikanernoch einmal kräftig nach. Dabei schwärzte er auch Ex-Präsident Bush an. Dieser habe entgegen dem Bericht natürlich gewusst, was da vor sich gehe, so der 73-Jährige.

Generell sei der Bericht nicht nur "schwer fehlerhaft, sondern völliger Mist" ("full of crap"), polterte Cheney. Dass er selbst an schwersten Misshandlungen von "feindlichen Kämpfern" nach den Terroranschlägen von 9/11, wie sie im Bericht in vielen erschütternden Details beschrieben werden, nichts Bedenkliches findet, daran ließ er im Interview mit dem erzkonservativen Sender keinen Zweifel: "Wir taten, was notwendig war", meinte Cheney. Dass 9/11-Chefplaner Chalid Scheich Mohammed 183 Mal "Waterboarding" (simuliertes Ertränken) unterzogen wurde, kommentierte er mit den Worten: "Was hätten wir tun sollen? Ihm auf beide Wangen küssen und sagen: ‚Bitte, bitte sag uns, was Du weißt!‘ Bestimmt nicht."

Denn mit Verhörpraktiken wie einwöchigem Schlafentzug, Waterboarding, Dauerbeschallung mit Heavy-Metal-Musik, seelischen Erniedrigungen, Schmerzerzeugung oder Scheinexekutionen seien weitere Anschläge verhindert worden, rechtfertigte sich der Ex-Politiker gegenüber dem TV-Journalisten Bret Baier. Der Bericht sieht das ganz anders. Dort kam die Verfasserin, die demokratische Geheimdienst-Ausschussvorsitzende Diane Feinstein, zu dem Schluss, dass der CIA durch Folter in keinem einzigen Fall an Informationen gelangte, die eine "unmittelbar bevorstehende Terrorbedrohung" verhindert hätten.

"Integraler Teil
des Programms"

Doch vor allem stößt Cheney auf, dass Bush über die Vorgänge, die gegen die internationale Anti-Folterkonvention verstoßen, laut dem Bericht erst spät erfahren haben soll. Die Senatsermittler hätten sich nicht einmal die Mühe gemacht, Schlüsselfiguren, die in das Programm eingebunden waren, zu befragen, kritisierte der Ex-Vizepräsident in Fox News. Dann wäre womöglich herausgekommen, dass der damalige Präsident mehr wusste, als in dem Bericht steht. Dort steht, Bush sei erst im April 2006 - vier Jahre nach dem Start des Programms - über Einzelheiten der Foltermethoden informiert worden. Der Präsident habe sich damals unwohl gefühlt, als er das Bild eines "an die Decke geketteten Gefangenen in Windeln" zu sehen bekommen habe.