Österreichische Hilfe: Dieser Bauer in Mosambik wird durch ein Programm der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützt. Mit Hilfe von Tröpfchen-Bewässerung sowie Pflug und Vieh konnte er in den vergangenen drei Jahren seine Produktion massiv steigern. - © apa/ada/Gutenbrunner
Österreichische Hilfe: Dieser Bauer in Mosambik wird durch ein Programm der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (OEZA) unterstützt. Mit Hilfe von Tröpfchen-Bewässerung sowie Pflug und Vieh konnte er in den vergangenen drei Jahren seine Produktion massiv steigern. - © apa/ada/Gutenbrunner

Zeugnisvergabe: Der Entwicklungsausschuss der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) stellte gestern, Donnerstag, seinen Prüfbericht zur österreichischen Entwicklungszusammenarbeit vor. Die "Wiener Zeitung" nutzte die Gelegenheit, um mit dem Vorsitzenden des Ausschusses, dem Norweger Erik Solheim, ein Gespräch über Österreichs Stärken, Schwächen und Perspektiven als auch über globale Trends in der Entwicklungszusammenarbeit zu sprechen.

"Wiener Zeitung": In welchen Bereichen funktioniert die österreichische Entwicklungszusammenarbeit gut, in welchen schlecht?

Erik Solheim: Österreich fokussiert sich bei seiner Entwicklungszusammenarbeit sehr darauf, den privaten Sektor miteinzubeziehen, was sehr wichtig ist. Es liefert bei seinen Projekten vor Ort gute Arbeit, wie wir bei einer Untersuchung in Moldawien (hier ist Österreich etwa in den Bereichen Wasserversorgung oder Berufsbildung aktiv, Anm.) sehen konnten. Aber eben weil Österreich gute Arbeit verrichtet, sollte das Land viel mehr leisten.

Gibt Österreich zu wenig Geld aus? Der Beitrag zur Entwicklung ärmerer Staaten lag 2013 bei 0,28 Prozent des BIP, das ist weit entfernt von den 0,7 Prozent, zu denen sich die Industriestaaten verpflichtet haben.

Es geht darum, mehr Geld aufzuwenden, und auch darum, durch Entwicklungszusammenarbeit seinen Einfluss in der Welt zu vergrößern. Österreich hat viel vorzuweisen: Das Land ist eine ökonomische Erfolgsgeschichte, es ist neutral, beherbergt viele UN-Organisationen, hat einen guten Ruf und keine Feinde. Somit könnte Österreich auf internationaler Ebene eine viel gewichtigere Rolle einnehmen, internationale Initiativen anführen und mehr in den ärmsten Teilen der Welt investieren. Die Schweiz etwa gibt mehr Geld für Entwicklung aus und macht sich global stärker bemerkbar. Oder nehmen wir etwa Großbritannien: London hat nun das 0,7-Prozent-Zeil erreicht. Länder wie Großbritannien oder die Schweiz sehen Entwicklungszusammenarbeit nicht nur als Solidarität mit den Ärmsten an. Das ist freilich auch wichtig. Aber Entwicklungszusammenarbeit ist auch Außenpolitik. Wenn man eine friedlichere, wohlhabendere, umweltfreundlichere Welt mit mehr Geschäftsmöglichkeiten haben will, dann muss man mit anderen zusammenarbeiten.