Davos/Wien. (vee) Mit Maschinengewehren bewaffnete Polizisten am Bahnhof Zürich, ohne Unterlass landende und abhebende Privatjets etwas nördlicher am Flughafen und schließlich dieser nicht enden wollende Helikopterlärm: Die Schweizer kennen längst die Zeichen für den Beginn des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Rund um den eidgenössischen Kurort auf über 1500 Metern Seehöhe waren im Vorfeld der Eröffnung am Dienstagabend 42 Kilometer Absperrgitter verlegt worden. Einerseits, um die Sicherheit der hochkarätigen Teilnehmer zu garantieren. Andererseits dienten diese Gitter bisher auch immer dazu, die globale Polit- und Wirtschaftselite von Demonstranten abzuschirmen.

Heuer wird dies, wie es aussieht, erstmals seit Jahren nicht notwendig sein. Manche könnten vermuten, der teure Franken stecke dahinter, dass sich die Globalisierungsgegner nicht mehr in Davos versammeln. Vielmehr hat aber bereits in den vergangenen Jahren das Interesse abgenommen, das WEF als Schauplatz für Kritik zu nutzen.

Der grüne Davoser Politiker Rolf Marugg hatte bisher zehn Jahre lang Demonstration in Davos organisiert. Da er vor kurzem zum Davoser Landratspräsidenten gewählt wurde, verzichtet er heuer darauf. Die Demo werde deshalb kaum stattfinden, sagte Marugg gegenüber dem Schweizer TV. "Ich finde es schade. Der Aufwand ist aber sehr groß und die Beteiligung sinkt seit Jahren."

Vor 14 Jahren war die Bewegung gegen die "Fat Cats in the Snow", wie Rocksänger Bono das Treffen einst nannte, noch groß - und durchaus rabiat. Im Jänner 2000 marschierten über 1000 Demonstranten durch den Ort und zerschmetterten Schaufenster. Auch im Jahr darauf eskalierte die Gewalt, worauf sich viele Organisationen von Kundgebungen anlässlich des WEF distanzierten.

Die Maßnahmen zur Sicherung des WEF wurden daraufhin massiv verstärkt, der Wille zur - von Demo-Teilnehmern oft als "schikanös" bezeichneten - Anreise in den Ferienort ließ seither stark nach. Den zuständigen Polizeipräsidenten freut die Ressourcenersparnis, wie er gegenüber Schweizer Medien sagte - und auch er wird nicht ohne Schmunzeln die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass Marugg heuer erstmals das Zombie-Protest-Kostüm mit Krawatte und Hemd tauscht und an der Eröffnung des WEF teilnimmt - als Landratspräsident ist der Lokalpolitiker immerhin der höchste Repräsentant von Davos und vertritt die Gemeinde am Forum.

Weltwirtschaft wächst langsamer


Auf der Agenda für die fast 2000 Delegierten steht die Weltwirtschaft. Trotz der günstigen Ölpreise und der Erholung in den USA wird diese nach Vorhersagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) heuer langsamer als erwartet wachsen. Der IWF schraubte seinen Konjunkturausblick für das globale Wachstum um 0,3 Punkte auf 3,5 Prozent nach unten. Für die Eurozone wurde der Konjunkturausblick wegen schwächerer Investitionsaussichten um 0,2 Punkte auf 1,2 Prozent Wachstum in diesem Jahr verringert.