Caracas. Einer der prominentesten Gegner von Staatschef Nicolas Maduro wurde in der Hauptstadt Caracas festgenommen: Antonio Ledezma habe vorgehabt, die Regierung zu stürzen, erklärte Venezuelas Präsident Maduro am Donnerstag. Ledezma sei festgenommen worden und müsse sich vor der Justiz verantworten.

Laut der Ehefrau des Bürgermeisters erfolgte die Festnahme durch Geheimagenten, die mit Panzern vor dem Büro des Bürgermeisters anrückten. "Herr Ledezma, der heute auf Anordnung der Staatsanwaltschaft festgenommen wurde, muss von der venezolanischen Justiz angeklagt werden, um für alle Verbrechen gegen den Frieden, die Sicherheit und die Verfassung des Landes geradezustehen", sagte Maduro am in einer Radio- und Fernsehansprache.

Mit Panzer vorgerückt

Unmittelbar vor der Festnahme hatte Ledezma am Donnerstagnachmittag selbst im Kurzbotschaftendienst Twitter mitgeteilt, dass Polizisten auf dem Weg zu ihm seien, um ihn festzunehmen. Danach berichtete seine Ehefrau Mitzy Capriles auf Ledezmas Twitter-Seite, dass Beamte den 59-Jährigen mitgenommen hätten. "Sie haben Antonio Ledezma geschlagen", fügte sie im Sender Radio Union hinzu. "Sie haben alles, was sie auf ihrem Weg fanden, zerstört, sie haben ihm keine Zeit gegeben zu sprechen, sie haben ihm keine Zeit gegeben irgendjemanden zu informieren."

Laut Capriles wurde die Festnahme von "dutzenden" Agenten des Geheimdienstes (Sebin) vorgenommen, die auf "zehn Panzern" vor seinem Büro angerückt seien. Die Agenten schossen in die Luft, um eine Menge, die in der Nähe protestierte, auseinanderzutreiben. Auch Ramon Muchacho, Bürgermeister des wohlhabenden Hauptstadtbezirks Chacao, berichtete auf Twitter von der Festnahme. Er erklärte seine "Solidarität" mit Ledezma "angesichts dieser unerwarteten Festnahme".

Der "Vampir"

Vor dem Sitz des Geheimdienstes versammelten sich am Donnerstagabend Unterstützer des Bürgermeisters, darunter der Oppositionsführer und Gouverneur des Teilstaates Miranda, Henrique Capriles Radonski. Ihnen standen Polizisten mit Schutzausrüstung gegenüber.

Ledezma ist einer der führenden Oppositionellen in Venezuela. Maduro nennt Ledezma "den Vampir" und wirft ihm vor, maßgeblich hinter den regierungskritischen Protesten vom vergangenen Jahr zu stecken. Im vergangenen Jahr hatte es in dem lateinamerikanischen Land wochenlange Proteste von Oppositionellen gegeben, bei denen es immer wieder zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kam. Insgesamt wurden 43 Menschen getötet.

Ausschreitungen

Vor rund einer Woche gab es zum Jahrestag des Beginns der Proteste erneut Ausschreitungen. Maduro erklärte dann, es habe einen Putschversuch gegen die Regierung gegeben. Mehrere Mitglieder der Luftwaffe seien festgenommen worden.

Maduro warf den USA in seiner TV- und Radioansprache am Donnerstag vor, Umsturzpläne gegen ihn und seine Regierung zu verfolgen. Er habe Beweise, dass Angehörige der US-Botschaft in Caracas am Versuch beteiligt gewesen seien, die Streitkräfte im Land zu spalten, sagte Maduro. Doch sei der Staatsstreich gescheitert. Die USA sind einer der Hauptabnehmer venezolanischen Öls.

Anstachelung

Am Mittwoch versammelten sich in Caracas 300 Menschen, um die Freilassung des seit einem Jahr inhaftierten Oppositionsführers Leonardo Lopez zu fordern. Die Behörden hatten ihn am 18. Februar 2014 festgenommen, sie werfen ihm die Anstachelung zu den Massenprotesten vor.

Maduro, der nach dem Tod des langjährigen Staatschefs Hugo Chavez im Frühjahr 2013 ins Amt kam, sieht sich angesichts der anhaltender Wirtschaftskrise in dem ölreichen Land zunehmender Kritik ausgesetzt. Ledezma wurde 2009 zum Bürgermeister von Caracas gewählt und 2013 wiedergewählt.