Singapur. Der erste Regierungschef Singapurs, Lee Kuan Yew, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Lee Kuan Yew war Anfang Februar mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gekommen und wurde zuletzt künstlich beatmet.

Lee hatte den kleinen asiatischen Stadtstaat in der Nähe des Äquators Ende der 50er-Jahre in die Unabhängigkeit geführt. Seine Partei PAP ist seitdem an der Macht. Lee Kuan Yew übte das Amt des Regierungschefs von 1959 bis 1990 aus und gehörte auch danach noch als "Senior Minister" bis 2004 und anschließend als "Minister Mentor" ("Ratgeber-Minister") bis 2011 dem Kabinett an.

Mit autoritärem Führungsstil machte er die damals rückständige Insel an der Südspitze Malaysias innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem modernen Dienstleistungsstaat mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt. Die Wolkenkratzer-Metropole mit heute 5,4 Millionen Einwohnern ist eines der weltweit führenden Finanzzentren.

Disziplin vor Demokratie

Disziplin war dem in Cambridge ausgebildeten Juristen stets wichtiger als Demokratie, wie er selbst sagte. Das Wahlsystem sorgt dafür, dass seine Partei PAP jede Wahl seit der Unabhängigkeit 1965 gewonnen hat. Zuletzt bekam sie 2011 mit 60 Prozent der Stimmen 81 von 87 Sitzen.

Die Medien sind kontrolliert. Um Kritiker kümmert sich die Justiz: Lee und andere PAP-Politiker haben mehr als 20 Verleumdungsklagen angestrengt und stets gewonnen. Hohe Schadensersatzurteile machen die Unterlegenen oft bankrott, dann können sie bei Wahlen nicht mehr antreten.

"Gigant der Geschichte"

US-Präsident Barack Obama hat den verstorbenen früheren Premierminister gewürdigt. Der Politiker sei ein "Visionär" und ein "Gigant der Geschichte" gewesen, der Singapur in eines der wohlhabendsten Länder der Welt verwandelt habe, erklärte Obama. Den kommenden Generationen werde Lee als "Vater des modernen Singapurs" im Gedächtnis bleiben, so Obama.