Khartum/Al Fascher. "George Clooney ist schuld." Der US-Schauspieler habe den Zerfall Sudans zu verantworten. Sein Engagement im Südsudan und in Darfur habe die Konflikte verschärft. Die Abspaltung des Südsudans, der nun ein unabhängiger Staat ist, sei die Folge gewesen. Dass sich Darfur auch noch loslöst, müsse unbedingt verhindert werden. So sieht es die Regierung des Sudans und so stand es kürzlich in der englischsprachigen Zeitung "Sudan Vision", hinter der der Geheimdienst steht.

reuters/Mohamed Nureldin Abdallah
reuters/Mohamed Nureldin Abdallah

Viele in den westlichen Ländern kennen Darfur nur durch das Engagement George Clooneys. Er sammelte Geld für Flüchtlinge, deckte Menschenrechtsverletzungen auf, forderte USA und UNO auf, einzugreifen. Selbst als das internationale Interesse sich vom Sudan abwandte, hielt er an seinem Engagement fest. 2012 wurde er bei einem Protest vor der sudanesischen Botschaft in Washington verhaftet. Die Bilder mit Clooney in Handschellen gingen um die Welt. Es handle sich um den ersten Genozid des 21. Jahrhunderts, sagte Clooney bei seiner Verhaftung. Zweifelsohne zählt der Konflikt in Darfur zu den größten humanitären Krisen weltweit.

Am Check-in nach Al Fascher ist Hauptmann Franke nicht zu übersehen. Groß, schlank, sportlich, blondes Stoppelhaar, ist der Mann aus Hamburg auf dem Flug zurück nach Darfur, in die Krisenregion, die Omar al-Bashir, dem Präsidenten Sudans, einen Haftbefehl vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag wegen Kriegsverbrechen einbrachte. Franke schiebt Blauhelmdienst in Darfur, für die nach Kongo zweitgrößte UN-Mission der Welt. Noch zehn deutsche Soldaten sind vor Ort. "Wir sind die letzten Europäer in Darfur", berichtet der Hauptmann, "alle anderen sind schon abgezogen." Auch die UNO selbst hat damit begonnen, von den 15.000 Blauhelmen, die in Darfur stationiert sind, einige aus den "stabilen" Gebieten abzuziehen. Eine vollständige Abzugsstrategie wird derzeit diskutiert. Die Regierung in Khartum halte Darfur fest im Griff, hat Franke erfahren, und wolle die UNO loswerden.

Ein Krieg mit unübersichtlichen Fronten


Noch immer wird im Westen Darfurs, an der Grenze zum Tschad, gekämpft. Es gibt keine einheitlichen Fronten. Auf der einen Seite stehen die sudanesische Armee und deren mit Söldnern angeheuerte Milizen, auf der anderen zwei große Rebellenorganisationen, aber auch viele kleine. Eine Einigung zwischen Rebellen und Regierung ist auch heute, 15 Jahre nach Ausbruch des Bürgerkrieges nicht in Sicht, obwohl Präsident Bashir jetzt verstärkt zur Versöhnung aufruft und einen Dialog der verfeindeten Parteien in Gang setzen will.