Washington. Die USA haben Russland Aufrüstung an der Grenze zur Ukraine sowie im umkämpften Osten des Nachbarlandes vorgeworfen. Russland habe weitere Luftabwehrsysteme und Soldaten in Bereitschaft gebracht, hieß es aus dem US-Außenministerium am Mittwoch.

Ein Vertreter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) beklagte mangelnden Zugang der OSZE-Beobachter in der Region.

Die russische Armee habe "zusätzliche Luftabwehrsysteme im Osten der Ukraine stationiert und einige davon näher an die Frontlinien gebracht", kritisierte US-Außenministeriumssprecherin Marie Harf. Russland sei zudem dabei, weitere Soldaten an die Grenze zur Ukraine zu entsenden. Daraus würde sich die "größte (Truppen-)Präsenz an der Grenze seit Oktober 2014" ergeben.

Moskau unterstütze die prorussischen Separatisten in der Ostukraine durch "zunehmend komplexe" Militärausbildung, zum Beispiel im Umgang mit Drohnen. Die Drohnen seien "ein untrügliches Zeichen für die russische Präsenz" im Konfliktgebiet, sagte Harf. "Gemeinsame russisch-separatistische Truppen verstoßen weiterhin gegen das Mitte Februar unterzeichnete 'Minsk 2'-Abkommen", kritisierte die Sprecherin.

Die US-Armee hatte am Montag eine Ausbildungsmission zur Unterstützung der ukrainischen Armee begonnen. Die USA liefern dem Land zudem militärische Ausrüstung wie gepanzerte Fahrzeuge, Schutzwesten, Radarsysteme und Nachtsichtgeräte. Waffenlieferungen lehnt Washington bisher ab.

Der OSZE-Chefbeobachter in der Ostukraine beklagte inzwischen, eine Ausweitung der Beobachtermission sei angesichts des eingeschränkten Zugangs zu umkämpften Gebieten wenig sinnvoll. Die Beobachtermission benötige "vollen Zugang" zu allen Gebieten in der Ostukraine, sagte Ertugul Apakan am Donnerstag in Wien. Solange diese Voraussetzung nicht erfüllt sei, würden weitere Beobachter für die Erfüllung des Minsker Abkommens "wenig ausrichten" können.

Prorussische Aufständische kämpfen im Osten der Ukraine seit mehr als einem Jahr gegen die ukrainische Armee. Bei den Kämpfen wurden bereits mehr als 6.000 Menschen getötet. Am 12. Februar unterzeichneten beide Seiten in der weißrussischen Hauptstadt Minsk einen Friedensfahrplan.

Der im Abkommen verhandelte Waffenstillstand wird laut OSZE zwar weitgehend eingehalten, ist jedoch angesichts immer wieder aufflammender kleinerer Kampfhandlungen "fragil". Beide Konfliktparteien lieferten "nur teilweise" die zur Überprüfung notwendigen Informationen, erklärte die Beobachtermission.