Tokio. Japans rechtskonservativer Ministerpräsident Shinzo Abe lässt in seiner Kampagne zur Änderung der pazifistischen Nachkriegsverfassung nichts unversucht: Mit einem Manga-Comic buhlt seine Liberaldemokratische Partei (LDP) seit neuestem bei den Bürgern um Verständnis für eine Verfassungsreform.

Darin erklärt ein Großvater seiner Familie unter anderem, dass die Verfassung nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg von völlig unerfahrenen amerikanischen Armeeangehörigen innerhalb von nur acht Tagen zusammengeschustert worden sei. Ziel sei es gewesen, Japan für alle Zeiten zu entmachten.

Abes Kernziel ist eine Abkehr von der Nachkriegsordnung. Er glaubt, dass die Verfassung nicht der einer unabhängigen Nation entspricht, da sie Japan 1946 von der Besatzungsmacht USA aufgezwungen worden sei. Die bis heute unveränderte Verfassung müsse den heutigen Realitäten angepasst werden.

Rolle des Militärs ausweiten

In einem ersten Schritt hat Abe bereits die Verfassung neu interpretieren lassen, um die Rolle des Militärs auszuweiten. Doch sein Plan sorgt nicht nur bei den Nachbarn China und Südkorea für Besorgnis, er ist auch im eigenen Volk umstritten.

Kritiker werfen Abe vor, den Geist des Friedensartikels 9 aushöhlen zu wollen. Er untersagt Japan Krieg und den Besitz von Streitkräften. In dem Manga geht es ebenfalls um eine Änderung des Artikels 9. Für eine Verfassungsänderung bedarf es einer Zweidrittel-Mehrheit in beiden Häusern des Parlaments sowie eines Volksentscheids. Ein Parlamentsausschuss befasst sich seit dieser Woche mit dem Thema.