Schloss Elmau. (vee/ag) Geht es alleine nach der Pünktlichkeit des Pressebriefings, so dürfte das heurige G7-Gipfeltreffen im oberbayerischen Schloss Elmau überaus harmonisch und ohne zeitraubende Auseinandersetzungen verlaufen sein. Denn wer um 14.45 Uhr und somit zur angekündigten Zeit zur Stelle war oder online zuschaltete, hatte die ersten Sätze der deutschen Kanzlerin und G7-Gipfelgastgeberin Angela Merkel bereits verpasst. "Sehr produktiv", lautete Merkels erstes Urteil nach zwei Tagen Gipfel. Gleichzeitig betonte sie vor den mehr als 3000 anwesenden Medienvertretern mehrmals und ausführlich die gemeinsamen Werte und Grundsätze der sieben Industrieländer. Nicht nur Wohlstand und Wirtschaftskraft verbinde sie, sondern auch Demokratie, die Förderung von Frieden oder die Wahrung der territorialen Unversehrtheit von Ländern. Wer musste bei diesen Worten nicht an das wegen seiner Rolle in der Ukraine-Krise zum zweiten Mal nicht zum Gipfel eingeladene Russland denken?

Die Ukraine-Krise und Russland waren aufgrund kürzlich erneut aufgeflammter, schwerer Kämpfe in der Ostukraine wichtigstes Thema. Die G7-Staaten drohen Moskau indirekt mit weiteren Wirtschaftssanktionen, sollte die Regierung in Moskau die Hilfe für die prorussischen Rebellen nicht unterbinden. Man wolle zwar eine politische Lösung. "Dennoch sind wir bereit, auch weitere beschränkende Maßnahmen zu ergreifen, um die Kosten für Russland zu erhöhen, sollten seine Handlungen dies erforderlich machen", heißt es in der am Montag verabschiedeten Gipfelerklärung. Russland habe beträchtlichen Einfluss auf die Separatisten, denen die Ukraine am Montag die Versenkung eines ukrainischen Militärschiffs vor Mariupol vorwarf. Eine Lockerung der Sanktionen sei an die vollständige Umsetzung des Minsker Friedensabkommens geknüpft, heißt es in der Erklärung.

Frankreichs Präsident François Hollande sagte, es sei wahrscheinlich, dass die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland bis Ende des Jahres verlängert würden. Russland wies die G7-Kritik an seiner Ukraine-Politik am Montag zurück und rief den Westen zu mehr Druck auf die Ukraine auf.

Keine Gewinner oder Verlierer

Tatsächlich war das Treffen der Chefs der G7 (USA, Kanada, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland) diesmal von ungewöhnlicher Harmonie geprägt und hatte keine gefühlten Gewinner oder Verlierer. "Wir veranstalten hier nicht den Gipfel der Besserwisser", sagte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schon am Sonntag und machte klar, dass es diesmal keinen transatlantischen Schlagabtausch geben würde. Weder Exportüberschüsse Deutschlands noch eine zu lockere US-Geldpolitik waren Thema. Beim Thema Griechenland blieb es nach Angaben von Merkel bei Nachfragen der Nicht-Europäer.