Ashdod. Die israelische Armee hat ein Schiff der neuen propalästinensischen Hilfsflotte für den Gazastreifen abgefangen. Israelische Marinesoldaten seien Montag früh in internationalen Gewässern und ohne Anwendung von Gewalt an Bord des Schiffes gegangen, teilte die israelische Armee mit.

Das Schiff wird den Angaben zufolge nun in die israelische Hafenstadt Ashdod eskortiert, wo es in spätestens 24 Stunden eintreffen soll. "Gemäß internationalem Recht hat die israelische Marine den Frachter mehrfach aufgefordert, seinen Kurs zu ändern", hieß es in einer Armeemitteilung. Da die Besatzung dies abgelehnt habe, hätten Marinesoldaten das Schiff geentert, um es von einer Verletzung der israelischen Seeblockade des Gazastreifens abzuhalten. Wie eine Armeesprecherin bestätigte, handelte es sich bei dem abgefangenen Schiff um den schwedischen Trawler "Marianne von Göteborg".

Das Schiff ist Teil der sogenannten Freiheitsflotte III - ein Konvoi mehrerer Schiffe mit propalästinensischen Aktivisten an Bord. In einer Erklärung der Aktivisten hieß es, Ziel der Flotte sei es, "auf die Verletzung der Rechte von 1,8 Millionen Palästinensern im größten Freiluftgefängnis der Welt aufmerksam zu machen". Über die anderen drei Schiffe, die nach Angaben eines Journalisten am Sonntag hinter der "Marianne von Göteborg" hergefahren waren, war am Montag zunächst nichts bekannt.

Ministerpräsident Netanyahu lobte den Einsatz

Nach Angaben der Plattform französischer Nichtregierungsorganisationen für Palästina sollen auf den Schiffen insgesamt 70 Aktivisten sein. Zu ihnen zählen der arabisch-israelische Parlamentsabgeordnete Basel Ghattas, der ehemalige tunesische Präsident Moncef Marzouki sowie mindestens ein europäischer Abgeordneter.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu gratulierte der israelischen Marine zu dem Einsatz. Die Flotte sei "nichts als eine Demonstration von Scheinheiligkeit und Lügen", die letztlich nur der Hamas helfe, erklärte Netanyahu am Montag.

Der von der radikalislamischen Hamas kontrollierte Gazastreifen wird nach Entführungen israelischer Soldaten und Raketenangriffen auf Israel seit über acht Jahren von Israel und zuletzt auch Ägypten streng abgeriegelt. Schiffe dürfen die Küstengewässer weder ansteuern noch verlassen. Propalästinensische Aktivisten haben bereits mehrfach vergeblich versucht, die Seeblockade zu durchbrechen.

Im Mai 2010 enterte ein israelisches Marinekommando das größte Boot einer aus sechs Schiffen bestehenden Hilfsflotte, die türkische "Mavi Marmara" und tötete zehn türkische Aktivisten. Die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei sind seither stark belastet.