Einst Liebkind der USA, fürchtet Saudi-Arabien - im Bild König Salman mit US-Außenminister John Kerry bei einem Treffen im Mai - eine weitere Annäherung Washingtons mit Teheran. - © apa/epa/Saudi Press Agency
Einst Liebkind der USA, fürchtet Saudi-Arabien - im Bild König Salman mit US-Außenminister John Kerry bei einem Treffen im Mai - eine weitere Annäherung Washingtons mit Teheran. - © apa/epa/Saudi Press Agency

Riad/Teheran/Wien. Während der Atomdeal auf Teherans Straßen die ganze Nacht gefeiert wurde, war es im 1400 Kilometer entfernten Riad vergleichsweise still. In Saudi-Arabiens Hauptstadt machte sich Ernüchterung, aber auch Verärgerung breit. Eine der Hauptsorgen der Saudis brachte der US-Politologe Ian Bremmer in einem Satz auf den Punkt: "In einem Jahrzehnt werden die Beziehungen der USA mit dem Iran besser sein als die mit Saudi-Arabien", twitterte er kurz nach Bekanntwerden des Atomdeals. Eine Aussicht, die Riad wohl kaum erquicklich findet. Und die einiges an Umdenken im Königreich auslösen könnte.

In dem 30-Millionen-Land, einst Bollwerk der Stabilität in einer unruhigen Region, ist ohnehin bereits vieles in Bewegung. Innenpolitisch kämpft Saudi-Arabien seit dem Auftreten des Islamischen Staates (IS) mit der größten Terrorbedrohung seit Beginn der 2000er-Jahre. Gleichzeitig wurden seit dem Tod König Abdullahs im Jänner zahlreiche politische Posten neu besetzt, manche Positionen mehrere Male. Wirtschaft wie Staatsbudget leiden unter dem niedrigen Ölpreis, fast ein Drittel der Saudis zwischen 16 und 29 Jahren ist arbeitslos - und der Staat, der bereits vier von fünf Saudis beschäftigt, wird den Ansturm der jungen Bevölkerung auf den Arbeitsmarkt kaum mehr abfangen können. Die Lebenskosten steigen, vor allem junge Saudis können sich kaum mehr Wohnraum leisten.

Aggressivere Außenpolitik


Doch auch außenpolitisch ist vieles im Umbruch. Mit dem Tod des über 40 Jahre dienenden Außenminister Prinz Saud al-Faisal in der Vorwoche gestaltet sich offenbar die saudische Außenpolitik neu. Während al-Faisal die Fäden stets diskret hinter den Kulissen zog, hat das Königreich neuerdings einen mutigeren, um nicht zu sagen aggressiveren Zugang eingeschlagen. Es nimmt sich kein Blatt mehr vor den Mund, scheut - Beispiel saudische Luftschläge im Jemen - keine eigenen Militärabenteuer und scheint auch auf keine Zustimmung auf Washington mehr zu warten.

Offiziell freilich begrüßte Saudi-Arabien die Einigung im Atomstreit. Laut einem Statement auf der Website der saudischen Botschaft in Washington sei Riad immer für ein Abkommen eingetreten, das den Iran davon abhalte, in den Besitz von Atomwaffen zu kommen. Gleichzeitig schickt Riad, das ein wirtschaftliches Erstarken des Landes und eine zunehmende Einmischung Teherans in der Region fürchtet, eine Warnung mit: "Der Iran muss seine Ressourcen für die heimische Entwicklung und die Verbesserung des Lebensstandards seiner Bürger nutzen - und nicht dazu, um Unruhe in der Region zu stiften", heißt es in der Meldung. Unruhe werde - so der Nachsatz - mit einer harschen und unbeirrten Reaktion der Nachbarländer beantwortet werden.