Ankara/Damaskus. Die Türkei ist erneut zeitgleich gegen die Kurdische Arbeiterpartei PKK und die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) vorgegangen. In der Nacht hätten türkische Kampfflugzeuge PKK-Militärlager im Nordirak bombardiert und Bodentruppen hätten PKK- wie auch IS-Kämpfer in Nordsyrien angegriffen, teilte das Büro des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu am Samstag mit.

Im Irak seien verschiedene Ziele, darunter auch Wohnungen und Warenlager, ins Visier genommen worden. Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu kündigte an, Teile Nordsyriens, aus denen die IS-Kämpfer verdrängt würden, zu einer Art Sicherheitspuffer ausbauen zu wollen.

PKK kündigt Waffenstillstand

Die Angriffe auf die PKK-Camps könnten den Friedensprozess mit den Kurden endgültig zum Scheitern bringen. Die PKK kündigte umgehend den Waffenstillstand mit der türkischen Regierung auf. Er sei mit dem Beschuss der PKK-Lager bedeutungslos geworden, erklärte sie auf ihrer Internetseite.

Beide Seiten hatten 2012 Friedensgespräche begonnen. Dabei wurde auch ein Waffenstillstand und ein Abzug der PKK-Kämpfer aus der Türkei in den Nordirak vereinbart. Der Friedensprozess liegt derzeit ohnehin auf Eis.

Türkei will Angriffe fortsetzen

Bereits am frühen Freitagmorgen hatte die türkische Luftwaffe Stellungen der IS-Extremisten im Nachbarland Syrien bombardiert. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden dabei mindestens neun IS-Kämpfer getötet und zwölf weitere verletzt. Der Militäreinsatz gegen den IS habe sein Ziel erreicht und werde fortgeführt, sagte Regierungschef Ahmet Davutoglu nach den ersten Bombardements.

Es war das erste Mal, dass die türkischen Streitkräfte Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien flogen, seit die Miliz im Sommer vergangenen Jahres weite Teile des Landes erobert hatte. Am Donnerstag hatten türkische Panzer bereits Stellungen der Dschihadisten in Syrien beschossen. Zuvor war ein türkischer Soldat durch Schüsse aus dem Nachbarland getötet worden.

Kehrtwende in der türkischen Politik

Die Luftangriffe auf die IS-Stellungen markieren eine Kehrtwende im Umgang der Türkei mit der Dschihadistenmiliz. Die islamisch-konservative Regierung in Ankara war seit Langem dafür kritisiert worden, zu wenig gegen die Dschihadisten zu tun. Die Türkei beteiligte sich bisher nicht an den US-geführten Luftangriffen gegen den IS in Syrien. Grund für den nunmehr offenen Konflikt Ankaras mit dem IS ist vor allem der folgenschwere Anschlag vom Montag, bei dem im südtürkischen Suruc 32 Menschen getötet und etwa hundert weitere verletzt wurden. Der Selbstmordanschlag wird dem IS zugeschrieben.