US-Lebensart ist bei Kubanern populär. Jetzt wird die Normalisierung der Beziehungen besiegelt . - © ap
US-Lebensart ist bei Kubanern populär. Jetzt wird die Normalisierung der Beziehungen besiegelt . - © ap

Bogota. Wenn am Freitag John Kerry als erster US-Außenministers seit 1945 nach Havanna kommt, dann wird er bei einem Spaziergang durch die kubanische Altstadt auch die vielen kleinen US-amerikanischen Flaggen sehen, mit denen sich die Kubaner in den letzten Wochen eingedeckt haben.

US-amerikanische Fahnen sind in Havanna derzeit heiß begehrt. Immer mehr Fahrzeuge schmücken sich mit einer kleinen Ausgabe des Stars-and-Stripes-Banners. Ob das eine Art des zivilen Ungehorsams ist, um der offiziell verhassten Nation des Kapitalismus zu huldigen, oder ob es einfach nur der traditionellen kubanischen Gastfreundschaft geschuldet ist, darüber diskutieren in den kubanischen Beiseln die Menschen derzeit intensiv.

Hoch wehen wird die US-Fahne künftig wieder über der amerikanischen Botschaft, nachdem Kerry sie gehisst hat und somit ein letzter offizieller Schlussstrich unter die jahrzehntelange Eiszeit gesetzt wurde.

Dissidenten zwischen
den Stühlen


Nur eine Gruppe ist von der US-Politik enttäuscht. Kubas Dissidenten sind zwischen die Fronten des Versöhnungsprozesses geraten. Das liegt einerseits daran, dass ihre Ansprechpartner in den USA jetzt direkt mit Kubas Machthabern sprechen. Andererseits fehlt der US-Politik bislang auch eine richtige Strategie, das brisante Thema anzupacken. Unmittelbar vor der historischen Visite von US-Außenminister John Kerry klicken in Havanna wieder einmal besonders häufig die Handschellen. Kubanische Menschenrechtsorganisationen berichten über hunderte Verhaftungen von Regimekritikern. Dieses Ritual ist ein fester Bestandteil des Katz-und-Maus-Spiels der kubanischen Staatssicherheit, die Kritiker des Castro-Regimes oft für Stunden festsetzen. Das soll für Angst und Schrecken unter all jenen sorgen, die bereit sind, den Mut aufzubringen, ihre eigene Meinung zum Ausdruck zu bringen. In Polizeigewahrsam soll es auch immer wieder zu brutalen Übergriffen kommen. Zudem hat der Inlandsgeheimdienst eine besonders perfide Methode entwickelt, Regimekritiker einzuschüchtern: Er lässt sie von "zivilen" Kubanern attackieren, die in Wahrheit für den Geheimdienst tätig sind. Vertreter dieser illegalen und unerwünschten Zivilgesellschaft haben es schwer, ihren Platz in der Dynamik des Annäherungsprozesses zu finden. Jüngst attackierten Exil-Kubaner in Miami sogar den Erzbischof von Havanna, Kardinal Jaime Ortega, weil der in einem Interview behauptet hatte, es gäbe keine politischen Gefangenen in Kuba mehr. Bislang galt die Kirche, auch Ortega, als wichtiger informeller Vermittler zwischen Staat und Opposition. Doch seit Ortega nun auch zwischen den USA und Kuba vermittelt, weiß die im Land systematisch isolierte kubanische Opposition nicht mehr, wem sie noch trauen kann und will.