Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und im Irak schmiedet der russische Präsident Wladimir Putin Pläne für eine internationale Koalition. Darüber habe er unter anderem mit US-Präsident Barack Obama in einem Telefonat gesprochen, sagte der russische Präsident bei einem Wirtschaftsforum in Wladiwostok an der Pazifikküste am Freitag.

Auch für eine Lösung der innersyrischen Krise sehen die Russen eine Chance: Putin zufolge ist Präsident Bashar al-Assad zu Neuwahlen und einer Beteiligung seiner Gegner an der Regierung bereit.

"Wir wollen eine internationale Koalition im Kampf gegen den Terrorismus und Extremismus gründen", betonte Putin. Dafür habe er auch mit den Führungen in der Türkei, Saudi-Arabien, Jordanien und Ägypten gesprochen. Chefdiplomat Sergej Lawrow zufolge will Russland die Anti-Terror-Allianz mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrates ausstatten. Die USA sehen den Plan Lawrow zufolge mit Zurückhaltung.

Einen Kampfeinsatz von russischen Soldaten schloss Putin zwar nicht ausdrücklich aus, doch stehe das Thema noch nicht auf der Tagesordnung, betonte der Präsident der Agentur Interfax zufolge. Bisher sei es verfrüht, von einem Gefechtseinsatz russischer Soldaten gegen den IS zu sprechen, sagte Putin. Der Kreml hatte zuvor israelische Medienberichte dementiert, wonach Russland die Absicht habe, Militärflugzeuge zur Bekämpfung des IS nach Syrien zu schicken.

Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist wegen des blutigen Konflikts in der Ostukraine auf dem tiefsten Punkt seit dem Ende des Kalten Krieges. Beobachter halten Putins Vorstoß in der Syrien-Krise für ein Signal an den Westen für mehr Annäherung.

Putin will neben Irakern und Kurden auch die syrische Armee an dem Bündnis gegen den IS beteiligen. Dies stößt vor allem bei der vom Westen unterstützten Opposition des Bürgerkriegslandes auf scharfe Kritik. Russland gilt als enger Partner von Staatschef Assad. Putin verwies darauf, dass Moskau Damaskus im Bürgerkrieg mit Waffen und der Ausbildung von Soldaten unterstütze. Es handle sich um Rüstungsverträge, die bereits vor fünf bis sieben Jahren unterschrieben worden seien.

Putin sagte, Assad sei einverstanden damit, etwa vorgezogene Parlamentswahlen abzuhalten, Kontakt zur "gesunden Opposition" aufzunehmen und diese an der Führung zu beteiligen. "Es gibt insgesamt ein Verständnis dafür, dass die Vereinigung der Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus parallel mit einem gewissen politischen Prozess in Syrien einhergehen sollte", sagte er. "Das ist vor allem eine Frage der innersyrischen Entwicklung."

Die Russen sehen ein internationales Vorgehen auch als Möglichkeit, Ruhe in Nahost zu schaffen, und so die Flüchtlingsströme in Europa einzudämmen. Aus Sicht Moskaus haben allen voran die USA die Krise im Nahen Osten, die Auslöser des Flüchtlingsdramas in Europa ist, durch eine verfehlte Politik mitverschuldet. "Europa folgt blind den amerikanischen Anweisungen und trägt nun diese schwere Last", meinte Putin. Eine Lösung der Krise sei nur durch einen vereinten Kampf gegen den Terrorismus möglich.

Neben mehreren Tempeln hat die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) im antiken syrischen Palmyra unterdessen auch drei berühmte Grabtürme gesprengt. Es habe sich um "die am besten erhaltenen, die schönsten" der Türme gehandelt, sagte der Leiter der syrischen Antikenverwaltung, Maamun Abdelkarim, am Freitag.

Die IS-Extremisten machten schon den Baal-Tempel und den Baalshamin-Tempel in Palmyra dem Erdboden gleich und riefen damit weltweite Empörung hervor. Der Baal-Tempel galt als das wichtigste Denkmal der römischen Ausgrabungsstätte. Gerüchte über die Sprengung der Grabtürme seien vor zehn Tagen aufgetaucht, sagte Abdelkarim am Freitag. Satellitenbilder vom 2. September hätten nun ihre Zerstörung bewiesen. Gesprengt wurde nach seinen Angaben auch der besonders berühmte Elahbel-Turm. Der Turm wird in der Unesco-Liste der Kulturerbestätten besonders hervorgehoben.

Der IS eroberte Palmyra Ende Mai. Zunächst plünderten die Jihadisten mehrere Mausoleen, zerstörten Skulpturen und verminten die größeren Ruinen, bis sie schließlich mit der Sprengung der Tempel und Türme weitermachten.