Bundespräsident Heinz Fischer hat bei einer ausführlichen Unterredung mit dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani am Dienstag in Teheran nach eigenen Angaben auch über kontroversielle Themen wie Menschenrechte und Todesstrafe sowie den Konflikt in Syrien gesprochen. Fischer kritisierte dabei unter anderem, dass im Iran die Todesstrafe auch für Drogenverbrechen verhängt wird. Rohani erklärte laut Fischer bezüglich der Todesstrafe, der Iran sei bereit, mit Freunden alle Themen zu diskutieren. Im Parlament und in der Bevölkerung sei die Stimmung aber so, dass dies "kein kurzfristiges Thema" sei.

Am Abend traf Bundespräsident Fischer in Teheran mit dem Obersten Geistlichen Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei (76), zusammen. Zu den Hauptthemen des Gesprächs zählten nach Angaben Fischers das Atomabkommen und der Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten. An dem Gespräch nahmen auch der iranische Präsident Hassan Rohani (Rouhani) und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) teil.

Zuvor war Fischer mit dem iranischen Justizchef Sadeq Larijani zusammengetroffen. Dabei wurde das divergierende Verständnis von Menschenwürde und Menschenrechten zwischen dem Iran und dem Westen erörtert sowie die Frage, wie ein Dialog darüber realisiert werden könne.

Khamenei sagte gegenüber Fischer, er habe von seiner Regierung eine positive Nachricht über Österreich erhalten. Er schätze die Politik der Gastgeber der Atomverhandlungen. Das am 14. Juli in Wien erzielte Ergebnis habe er positiv bewertet, es müsse sich aber erst zeigen, wie es umgesetzt werde. Nicht alle Staaten hätten nämlich in gleicher Weise zu diesem Ergebnis, das dem Charakter des Iran als friedlicher Nation entspreche, beigetragen.

Der Oberste Führer des Iran betonte laut Fischer, Staaten könnten sich nur entwickeln, wenn sie sich an religiösen Werten orientierten. Die Frage, ob der Dialog zwischen Christen und Muslimen wichtig sei, bejahte Khamenei. Angesprochen auf das gespannte Verhältnis zwischen dem schiitisch dominierten Iran und dem mehrheitlich sunnitischen Saudi-Arabien meinte Khamenei, alle Strömungen des Islam könnten und müssten zusammenarbeiten. Die Konflikte zwischen ihnen seien politisch motiviert.

Am Mittwoch, dem letzten Tag seines Arbeitsbesuchs im Iran, wird Fischer mit dem iranischen Ex-Präsidenten Ali Akbar Hashemi Rafasanjani (81), dem derzeitigen Chef des Schlichtungsrates, zusammentreffen. Rafsanjani gilt als Pragmatiker und Förderer des als moderat geltenden Präsidenten Rohani.