Ouagadougou/Wien. Zuletzt suchte er Zuflucht in der Botschaft des Vatikans: General Gilbert Diendere ist mit seinem Putschversuch in Burkina Faso gescheitert. Nun wird über die Modalitäten seiner Aufgabe verhandelt.

Beinahe wäre der Zug Richtung Demokratie in dem westafrikanischen Land noch einmal gestoppt worden. Vor zwei Wochen hat die Präsidialgarde, eine Eliteeinheit der Armee, unter der Führung von Diendere eine Sitzung im Präsidentenpalast gestürmt und die Staatsspitze festgesetzt. Doch die Putschisten hatten fast alle gegen sich: Demonstranten auf den Straßen der Hauptstadt Ouagadougou, die internationale Gemeinschaft und andere Einheiten der Armee - die in Ouagadougou einmarschierten und den Putschisten, die sich zudem auch noch untereinander zerstritten, schnell das Wasser abgruben.

Die Angst der alten Garde


Die 1300 Mann starke Präsidialgarde war von Ex-Staatschef Blaise Compaore aufgebaut worden, der wiederum nach 27 Jahren an der Macht vergangenes Jahr durch einen Volksaufstand gestürzt worden war. Auf Compaore, der autokratisch eine Scheindemokratie anführte, folgte eine Übergangsregierung, die das Land Richtung Wahlen führen soll. Diese ist nach dem gescheiterten Putsch nun wieder im Amt, die Wahlen sollen nun Ende November stattfinden.

Die Präsidialgarde wollte die Uhr noch einmal zurückdrehen. Was sie antrieb? Beobachter spekulieren, dass ihre Mitglieder um Macht und Geld fürchteten und auch, dass einige von ihnen in Verbrechen des alten Regimes verstrickt seien und jetzt Angst vor eine Anklage hätten.

Die Vorgänge in Burkina Faso haben jedenfalls eine Signalwirkung für viele afrikanische Länder. Denn in dem Land gibt es mit "Balai Citoyen" (was übersetzt so viel wie "Bürgerbesen" bedeutet) eine starke von Musikern getragene Bürgerbewegung, die auch in anderen Staaten des Kontinents als Vorbild gilt. Diese hatte schon den Sturz von Compaore angetrieben und machte nun auch gegen die Putschisten mobil. Es zeigte sich, dass sich viele Bürger ihre neu gewonnen Freiheiten nicht mehr nehmen lassen wollen. Der gescheiterte Putsch hat somit - gegen die Intention der Putschisten - wohl die Demokratie gestärkt.