Beirut. Bei einem Doppelanschlag in Beirut sind am Donnerstag mindestens 43 Menschen getötet und 239 verletzt worden. Zwei Selbstmordattentäter zündeten nach Angaben der Polizei vor einem Einkaufszentrum im Stadtviertel Burj al-Barajne Sprengstoffgürtel. Das Viertel ist eine Hochburg der schiitischen Hisbollah-Miliz. Die IS bekannte sich zu dem Anschlag.

Im Abstand von fünf Minuten und 150 Metern voneinander kam es zu schweren Explosionen. Laut LBC waren insgesamt vier Selbstmordattentäter in der Gegend unterwegs, einer sei jedoch geflüchtet, ein weiterer getötet worden, bevor er seinen Sprengsatz zur Detonation bringen konnte.

In den vergangenen zwei Jahren hat es bereits ähnliche Anschläge in südlichen Beiruter Bezirken gegeben. Der Libanon steckt auch wegen des syrischen Bürgerkriegs in einer schweren politischen Krise. Hisbollah-Milizionäre kämpfen im Nachbarland an der Seite des Regimes von Präsident Bashar al-Assad. Libanesische Sunniten unterstützen wiederum die Rebellen.

An den umstehenden Gebäuden entstanden durch die Explosionen schwere Schäden. Leichen lagen in mehreren kleinen Geschäften in der Nähe, auf der Straße waren Blutlachen zu sehen. Sicherheitskräfte bemühten sich, den Bereich abzusperren.

IS bekannte sich zu Anschlägen

Zu den Anschlägen hat sich mittlerweile die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt. In einer im Internet veröffentlichten Erklärung der Gruppe heißt es, zunächst sei in unmittelbarer Nähe einer schiitischen Menschenmenge eine Bombe auf einem Motorrad zur Detonation gebracht worden.

Wenig später habe ein IS-Kämpfer am Ort des ersten Anschlags einen Sprengstoffgürtel gezündet. Nach den jüngsten Angaben der Behörden und des libanesischen Roten Kreuzes wurden 41 Menschen getötet und mehr als 200 verletzt. Das Viertel Burdsch al-Baradschne ist eine Hochburg der schiitischen Hisbollah, die in Syrien Staatschef Bashar al-Assad unterstützt.

Es waren die ersten Anschläge in den südlichen Stadtvierteln der libanesischen Hauptstadt seit Juni 2014. Damals hatte ein Selbstmordattentäter einen Sicherheitsbeamten getötet, als dieser ihn aufzuhalten versuchte. Zwischen Juli 2013 und Februar 2014 wurden in den Hisbollah-Hochburgen neun Anschläge verübt.

Tag der Trauer

Der libanesische Ministerpräsident Tammam Salam rief für Freitag einen Tag der Trauer aus. Die US-Regierung verurteilte den Doppel-Anschlag in der libanesischen Hauptstadt Beirut als "entsetzlichen" Terrorakt. "Solche Terrorakte stärken nur unsere Verpflichtung zur Unterstützung der staatlichen Institutionen des Libanon, einschließlich der Sicherheitskräfte, um einen stabilen, souveränen und sichern Libanon zu gewährleisten", erklärte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Ned Price, am Donnerstag.

Auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon und der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) verurteilten das Attentat. In einer Erklärung zeigte Ban sich "zutiefst betrübt" und forderte, die Verantwortlichen schnell zur Rechenschaft zu ziehen. Die UNO werde die Bemühungen des libanesischen Staates und seiner Sicherheitskräfte um die Sicherheit des Landes und der Bevölkerung weiter unterstützen. Steinmeier erklärte: "Dieser schreckliche Terroranschlag ist ein direkter und bewusster Angriff auf die Stabilität des Libanon."