Bamako/Wien. (klh) Die gegnerischen Kämpfer wurden "neutralisiert". So wurde es jedenfalls in der offiziellen Stellungnahme der französischen Armee formuliert. Diese hat sich in Mali diese Woche ein vierstündiges Feuergefecht mit Dschihadisten geliefert und dabei nach eigenen Angaben zehn Radikalislamisten entweder getötet oder gefangen genommen. Zudem sollen umfangreiche Waffenbestände und Sprengstoff sichergestellt worden sein.

Der Angriff war offenbar eine Reaktion auf die Erstürmung eines Hotels in der Hauptstadt Bamako durch Terroristen. Denn der Einsatz soll sich gegen die Gruppe al-Murabitun gerichtet haben. Diese bekennt sich zu Al-Kaida im Maghreb, und ihre Kämpfer werden hinter der Geiselnahme im Radisson Blu Hotel im November dieses Jahres vermutet. Spezialkräfte aus Frankreich und den USA beendeten damals die Dschihadisten-Attacke, es gab 22 Todesopfer, darunter zwei Angreifer.

Seitdem wird intensiv nach den Hintermännern des Angriffs gefahndet. Zudem herrscht Angst vor weiteren großen Anschlägen. Die Regierung hat wieder einmal den Ausnahmezustand verhängt - dieser gilt nun bis Neujahr. Angeblich gab es konkrete Anschlagsdrohungen von Dschihadisten.

Österreich will sich in
Mali stärker engagieren


Mali wird im internationalen Anti-Terror-Kampf viel Bedeutung zugemessen. Die Schwäche des Staates, dessen Institution jahrelang nicht funktionierten und teilweise bis heute nicht funktionieren, hat islamistische Milizen stark gemacht. Das destabilisiert die gesamte Region und nährt die Befürchtung, dass von Mali aus Anschläge auch in anderen Ländern geplant werden könnten.

Radikale Gruppen wie die Al-Kaida im Maghreb hatten vor drei Jahren sogar weite Teile des Nordens von Mali erobert. Doch dann rückte die französische Armee gegen die Islamisten vor und vertrieb diese zumindest aus den Städten.

Seitdem ist die internationale Gemeinschaft in Mali präsent. Die UNO entsandte die mittlerweile 12.000 Mann starke Mission Minusma, die den Staat stabilisieren und für Sicherheit - etwa mittles Patrouillen in Nordmali - sorgen soll. Zudem bildet die EU im Rahmen ihrer Mission EUTM Soldaten der malischen Armee aus. Auch Österreich zeigt in Mali Präsenz, die Regierung will nun gar die Kapazitäten vergrößern. Das Kontingent der EU-Trainingsmission wird mit bis zu 20 österreichischen Soldaten fast verdoppelt, zudem sollen kommendes Jahr auch 15 Soldaten an der UNO-Mission teilnehmen. Auch Lufttransporte durch eine Hercules-Maschine wird Österreich bereitstellen. Man werde damit dem Versprechen gerecht, Solidarität mit Frankreich im Anti-Terror-Kampf zu zeigen, sagte Verteidigungsminister Gerald Klug diese Woche.

Österreich ist an einer heiklen Mission beteiligt, Mali ist noch lange nicht befriedet. Die Islamisten wurden zwar geschwächt und kontrollieren keine Städte mehr, doch immer wieder greifen sie Konvois in der Wüste an. Zudem dürften sich in den Städten Schläferzellen aufhalten, die auf den Befehl warten zuzuschlagen.

Wenig Perspektiven und
viele wütende junge Männer


Es ist ein schwieriger Kampf gegen die Terroristen, denn ihnen spielen verschiedene Umstände in Mali in die Hände. Das weite, unwegsame Wüstengebiet in Nordmali ist schwer zu kontrollieren. Es blüht dort der Schmuggel, etwa von Drogen, womit sich die Terroristen finanzieren. Diese profitieren auch von der Armut in dem Land. Es gibt wenig Arbeit, kaum Perspektiven und deshalb viele wütende junge Männer - was es den islamischen Milizen leichter macht, Kämpfer zu rekrutieren.