Islamabad. Indiens Ministerpräsident Narendra Modi hat Pakistan eine überraschende Kurzvisite abgestattet, um die Tür für Friedensgespräche aufzustoßen. Es handelt sich um den ersten Besuch eines indischen Regierungschefs beim Erzfeind seit mehr als zehn Jahren.

Das Gespräch sei in angenehmer Atmosphäre verlaufen, hieß es im pakistanischen Staatssender PTV. Der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums teilte mit, die beiden Regierungschefs hätten sich darauf geeinigt, die Kontakte auszuweiten und verstärkt an gutnachbarschaftlichen Beziehungen zu arbeiten.

Die meisten Reaktionen auf den Besuch in Pakistan und Indien waren
positiv. Die indische Außenministerin Sushma Swaraj schrieb auf Twitter:
"So ist es staatsmännisch". Indische Analysten sagten im Fernsehen, die
Geste sei "visionär und mutig". Der pakistanische Sicherheitsanalyst
Talat Massud sagte, der Besuch zeige, dass Indiens Haltung zu Pakistan
sich ändere. Das sei ein gutes Zeichen für den Frieden. 

Kurzes Gespräch in Paris

Die zwei Regierungschefs hatten im November am Rande des Weltklimagipfels in Paris ein kurzes Gespräch geführt. Daraufhin war der indische Außenminister Sushama Swaraj nach Pakistan gereist. Es war der erste derartige Besuch seit drei Jahren.

Beide Staaten sind seit Jahrzehnten verfeindet und besitzen Atomwaffen. Seit ihrer Unabhängigkeit 1947 führten sie drei Kriege gegeneinander, bei zweien ging es um die Kaschmir-Region im Himalaya-Gebirge. Im Juli hatten Modi und Sharif bei einem Treffen in Russland vereinbart, dass es Friedensgespräche geben soll. Im August platzten allerdings dazu geplante hochrangige Beratungen.

Modi befand sich auf dem Rückweg nach einem Besuch in Russland. Vor seiner Ankunft in Pakistan machte er in der afghanischen Hauptstadt Kabul Zwischenstation. Dort nahm er an der feierlichen Eröffnung eines Parlamentsgebäudes teil, das mit indischer Hilfe gebaut wurde. Indien unterstützt die afghanische Regierung. Pakistan dagegen finanziert nach Auffassung vieler Afghanen die aufständischen Taliban. Die pakistanische Regierung weist diesen Vorwurf jedoch zurück.

Zusammenarbeit mit Russland

In Moskau verabredeten am Vortag Russland und Indien wiederum eine engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Der russische Präsident Wladimir Putin sprach sich bei dem Treffen mit Modi am Donnerstag für eine stärkere Rolle Indiens bei der Lösung globaler Probleme aus. Indien sei ein aussichtsreicher Anwärter auf einen ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat, sagte Putin. Die beiden Atommächte einigten sich auf eine Ausweitung ihrer Kooperation in der Nukleartechnik.

Modi betonte, er und Putin seien sich in ihren außenpolitischen Positionen sehr nahe. Beide Spitzenpolitiker bekräftigten in einer gemeinsamen Abschlusserklärung, dass Russland und Indien etwa im Syrien-Konflikt für eine politische Lösung einträten. Nur ein innersyrischer Dialog ohne Einmischung von außen könne einen Ausweg bieten, hieß es. Russland sucht angesichts der Spannungen mit dem Westen dringend Verbündete für seinen außenpolitischen Kurs.

Bei dem Spitzentreffen wurden nach Kremlangaben mehrere Abkommen und Geschäfte geschlossen. Der russische Staatskonzern Rosatom und die indische Atomenergiebehörde verabredeten etwa den Bau von Atomkraftwerken mit russischer Technik in Indien. Russland sei einer der wichtigsten Energielieferanten für sein Land, sagte Modi. Er und Putin vereinbarten weitere gemeinsame Projekte beim Bau von Atomkraftwerken.