Peking. In China ist zum Jahreswechsel die neue Zwei-Kind-Politik in Kraft getreten. Laut der neuen Richtlinien, die im Oktober von der regierenden Kommunistischen Partei verkündet worden waren, dürfen verheiratete Paare künftig ein zweites Kind haben.

Gemäß der Ende der 1970er Jahre eingeführten Ein-Kind-Politik durften Paare nur ein Kind bekommen, wobei Ausnahmen für die ländliche Bevölkerung galten, wenn das erste Kind ein Mädchen war, sowie für ethnische Minderheiten, die grundsätzlich zwei Kinder haben durften.

Diese umstrittene Bevölkerungspolitik erlaubte, das Wachstum der Bevölkerung in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zu reduzieren. Zugleich führte sie aber dazu, dass aufgrund der jahrhundertealten Vorliebe für Buben Mädchen massenweise abgetrieben oder nach der Geburt getötet wurden. Zwar sind Ultraschalluntersuchungen nicht erlaubt, trotzdem werden Mädchen häufig abgetrieben. Buben werden bevorzugt, weil Töchter mit der Heirat in die Familie des Ehemanns wechseln.

Mittlerweile kommen in China bei der Geburt 1,15 Buben auf 1 Mädchen - das natürliche Verhältnis wäre 1,05 zu 1. In der Altersgruppe bis 14 Jahre kommen sogar 1,17 Buben auf 1 Mädchen. In der Folge gibt es heute ein deutliches Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern in der Volksrepublik. Auch altert die Bevölkerung rapide, während die arbeitsfähige Bevölkerung schrumpft.

China ist mit 1,37 Milliarden Bürgern das bevölkerungsreichste Land der Welt. Laut der Regierung sollen aufgrund der geänderten Politik allein in den kommenden fünf Jahren drei Millionen zusätzliche Kinder geboren werden. Bis 2050 soll damit die arbeitsfähige Bevölkerung um 30 Millionen Menschen ansteigen. Experten warnen aber, dass die Änderung zu spät kommt, um die Überalterung der Bevölkerung aufzuhalten. Auch wird gewarnt, dass viele Paare wegen der zusätzlichen Kosten kein zweites Kind haben wollen.

Schrittweise Aufhebung


Die Ein-Kind-Politik ist schon zuletzt sukzessive gelockert worden. Im November 2013 hatte die Kommunistische Partei die Vorgaben zur Geburtenkontrolle geändert. Danach durften Paare, von denen ein Partner bereits aus einer Ein-Kind-Familie stammt, zwei Kinder haben. Eine weitere, zuvor nicht bedachte Folge der Ein-Kind-Politik waren übrigens verwöhnte "kleine Kaiser", die nach Studien weniger lebenstüchtig sind. Die Ein-Kind-Politik gab außerdem dem Mädchenhandel aus den Nachbarländern Auftrieb. Dabei werden junge Frauen etwa aus Vietnam, Laos oder Kambodscha von Kriminellen entführt oder von ihren Verwandten an Menschenhändlerbanden verkauft und dann in China zwangsverheiratet. China hat in den vergangenen Jahren einige wichtige Modernisierungsschritte unternommen. Im Jahr 2013 wurde das international scharf kritisierte System der "Umerziehung durch Arbeit" abgeschafft. Gemäß diesem System konnten die Behörden Angeklagte ohne Prozess zu jahrelanger Haft in Arbeitslagern verurteilen. Außerdem hat die chinesische Kommunistische Partei entschieden, dass "Schritt für Schritt" die Zahl der Delikte verringert wird, die mit der Todesstrafe geahndet werden.