Die kurdische Lösung

Insgesamt seien die USA mit ihren Versuchen, die moderate syrische Opposition gegen dschihadistische Gruppen in Stellung zu bringen, wenig zufrieden, sagt der Nahost-Experte Aron Lund. In Ermangelung besserer Optionen habe man sich entschieden, auf die Kurden zu setzen.

Im Oktober 2015 wurde während einer Pressekonferenz in der syrischen Stadt Hasakah die Gründung der kurdisch dominierten Syrian Democratic Forces (SDF) bekanntgegeben. Ein Sprecher des neuen Bündnisses verkündete, das Hauptziel der Streitkräfte sei es, den IS zu eliminieren und die von ihm besetzten Gebiete zu befreien. Entsprechend umfangreich wird dieses Wunschprojekt der USA unterstützt: Noch im Oktober erhalten die SDF 45 Tonnen Waffen. 50 Mitglieder von US-Spezialeinheiten werden als Berater zur Seite gestellt. Kampfjets der US-Koalition unterstützen die Bodenoffensiven der SDF. Das Ende des Islamischen Staates in Syrien scheint nur noch eine Frage der Zeit.

Doch ein militärischer Sieg alleine wird nicht ausreichen, um den IS nachhaltig zu zerschlagen. Unbestätigten Quellen zu Folge wurden Lieferungen der in den USA produzierten Panzer-Abwehr-Raketen an die Rebellen inzwischen eingestellt. Sollte sich das bewahrheiten, wäre dies ein fatales Signal an die moderate Opposition. Ein Signal, das dschihadistischen Gruppen weiteren Auftrieb gibt, indem sie sich als letztes Bollwerk im Kampf gegen das von Russland und Iran gestützte und vom Westen geduldete Assad-Regime stilisieren.

Um dem entgegenzuwirken, führt kein Weg am Verhandlungstisch vorbei. Das Erzwingen einer militärischen Lösung wäre ein weiteres Kapitel im Narrativ vom Kampf des Westens und seiner schiitisch-häretischen Verbündeten gegen den Islam, wie es die IS-Propaganda schreibt. Auch wenn die kurdischen SDF erfolgreich gegen den IS vorgehen - der militärische Sieg gegen den IS alleine wird nicht ausreichen, um seine Ideologie wirkungslos zu machen.