Washington D.C. – Erstens kommt es anders und zweitens – manchmal – genauso, wie man denkt. Das Rennen um die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten der zwei großen Parteien Amerikas ist seit gestern nahezu entschieden. Mit der Betonung auf nahezu. Der größte Preis in absoluten Zahlen, sprich an Delegiertenstimmen, trug an diesem zweiten "Super Tuesday" des Vorwahlkalenders den Namen Florida. Was dort gestern passierte, konsolidierte quasi das permanente politische Erdbeben, das die Republikaner dieser Tage erschüttert.

Der im Rahmen eines Winner-take-all-Bewerbs ermittelte Sieger im Kampf um die 99 Delegierten des Bundesstaats stand noch in der Minute fest, in dem die Wahllokale schlossen und er hiess: Donald Trump. Noch am Nachmittag hatte Senator Marco Rubio beteuert, auch in dem Fall weiter zu machen, wenn er in seinem Heimat-Bundesstaat nicht an erster Stelle landen würde; aber nach Bekanntgabe des Ergebnisses setzte offenbar (nicht nur ihm übel Gesinnte meinen: endlich) sein Realitätssinn ein. Der erklärte Liebling des Parteiestablishments der Konservativen erklärte noch am Abend, dass er sich aus dem Rennen verabschiedet.

Durchmarsch Trumps ist kaum zu stoppen

Nachdem Trump außer in Florida auch noch in North Carolina, Illinois, Missouri (extrem knapp, aber doch) und den Northern Mariana Islands gewann, bleiben den Republikanern nur noch zwei Alternativen zum New Yorker Immobilienmagnaten und Reality-TV-Star: Ted Cruz, der erzkonservative Senator aus Texas und John Kasich, der seit 2010 Ohio als Gouverneur dient und auf eine lange Karriere als Berufspolitiker zurückblickt.

Cruz verwies Trump ebendort zwar relativ klar auf Platz zwei – aber ob das reichen wird, um den Durchmarsch des 69-Jährigen Rechtspopulisten noch zu stoppen, gilt im besten Fall als zweifelhaft. Auch wenn allgemein angenommen wird, dass die Wähler – und, bisweilen wichtiger – das Gros der Geldgeber Rubios (nicht zu vergessen die des längst ausgeschiedenen Jeb Bush) jetzt mehr oder minder geschlossen in Kasichs Lager wechseln, besteht seine einzig verbliebene Chance auf die Nominierung darin, Trump im Tandem mit Cruz in den kommenden Monaten unter der magischen Zahl von 1.237 zu halten. Das ist jene Zahl an Delegiertenstimmen, die einem Kandidaten nämliche garantiert.

Fest steht in jedem Fall, dass die Wahrscheinlichkeit, dass es von 18. bis 21. Juli in Cleveland zu einer sogenannten "Contested Covention" kommt, nach den Ergebnissen dieses Dienstags signifikant gestiegen ist – auch wenn Trump nunmehr mehr denn je alle Trümpfe in der Hand hält. Bei den Republikanern steht der nächste Bewerb am 22. März an, wenn Arizona und Utah zur Stimmabgabe gebeten werden.

Sanders wird einmal mehr des Feldes verwiesen

Bei den Demokraten setzte sich am zweiten Super Tuesday Hillary Clinton erwartungsgemäß in Florida, North Carolina, Missouri und Illinois durch – und in Ohio, wo sich den Umfragen zufolge bis zuletzt ein enges Rennen abgezeichnet hatte. Bernie Sanders, der sich nach seinem Überraschungssieg in Michigan im Aufwind wähnte, wurde einmal mehr klar des Feldes verwiesen. Die Anzahl an Delegiertenstimmen, die die ehemalige Außenministerin und Ex-First-Lady nunmehr auf sich vereint, ist praktisch nicht mehr einzuholen. Mit der Betonung auf praktisch.