Havanna. Als vor über einem Jahr US-Präsident Barack Obama und Kubas Staatsoberhaupt Raul Castro in zeitgleichen TV-Ansprachen an ihr Volk das Ende der politischen Eiszeit zwischen den beiden ideologischen Großmächten ankündigten, da liefen in der kubanischen Hauptstadt Havanna die Menschen auf die Straßen und jubelten. Ein Hauch von Revolution, von Freiheit lag in diesem Moment, doch 15 Monate später ist von diesem Gefühl zumindest bei der kubanischen Opposition nicht viel geblieben.

Rasend schnell verändern sich in Kuba vor allem die ökonomischen Rahmenbedingungen. Die Tourismusbehörde meldet immer neue Rekordzahlen und angesichts der Installierung direkter Flugrouten aus den USA und neuer Verbindungen nach Europa dürfte vor allem diese Branche zu den größten Gewinnern des Öffnungsprozesses zählen.

Doch unter Kubas Regimekritikern ist der Frust groß, dass sie vom Tauwetter nicht profitieren. Oppositionspolitikerin Rosa Maria Rodriguez von der eigentlich verbotenen christlich-bürgerlichen Oppositionspartei "MCL" berichtet, was das bedeutet. Der Inlandsgeheimdienst habe sie vor ein paar Tagen besucht und mit ihrer Verhaftung gedroht, falls sie während des Obama-Besuches ihre Wohnung verlassen würde. Die neue kubanische Freiheit hat ihre Grenzen.

Das Thema Kuba spielt deshalb auch im US-amerikanischen Wahlkampf eine Rolle. Schlecht verhandelt habe die Obama-Regierung mit Havanna, polterte zuletzt der republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Und der inzwischen gescheiterte Senator Marco Rubio, ein Nachkomme kubanischer Einwanderer, konnte mit seinem detaillierten Forderungskatalog sogar ein Sachthema in der sonst eher emotional-abstrakten republikanischen Auseinandersetzung platzieren. Konkret forderte Rubio ein Ende der Verfolgung politisch Andersdenkender, freie Wahlen und die Zulassung von oppositionellen Parteien. Doch davon sind Kubas regierende Kommunisten nach wie vor weit entfernt.

"Brauchen eine klare Botschaft"

Die bekannteste Bürgerrechtsorganisation, die vom EU-Parlament ausgezeichneten "Frauen in Weiß", hat nun den US-amerikanischen Präsidenten zu einem ihrer Treffen im "Park Ghandi" in Havanna eingeladen. Hier versammeln sich die ganz in Weiß gekleideten Ehefrauen und Mütter ehemaliger oder aktueller politischer Gefangener, um auf Schritt und Tritt begleitet vom Inlandsgeheimdienst für ein freies Kuba zu demonstrieren. "Es ist wichtig, dass er eine klare Botschaft in Kuba hinterlässt", unterstrich Berta Soler, Sprecherin der "Frauen in Weiß", in einem in dieser Woche veröffentlichten Video der Gruppe.