Aus Washington heißt es, Obama wolle sich mit ranghohen Vertretern der Zivilgesellschaft treffen und mit ihnen den Dialog suchen. Das allein ist schon ein Fortschritt, denn in der offiziellen politischen Landschaft Kubas beansprucht die allmächtige und einzig zugelassene kommunistische Partei auch diese Rolle für sich. Regierung und Zivilgesellschaft, das ist nach kubanischer Lesart identisch.

Verbittert verfolgen die Dissidenten, wie sich in den aktuellen Verhandlungen mit den USA und der EU die lange verfeindeten Seiten annähern, ohne dass sich an ihrer Situation gravierend etwas ändern würde. Noch enttäuschter sind die Regimekritiker, die bisweilen Jahre unter erbärmlichen Umständen in den kubanischen Gefängnissen ausharren mussten, aber von Papst Franziskus. Während dessen Visite auf der Karibikinsel vor wenigen Monaten hatten die Dissidenten vergeblich auf ein Treffen mit dem argentinischen Kirchenoberhaupt gehofft. Es fällt ihnen schwer zu begreifen, dass Franziskus ausgerechnet Kuba als einen wichtigen Verbündeten für seine Vision einer neuen Welt- und Wirtschaftsordnung betrachtet.

Verhandelt wird von anderen

Mit entsprechendem Sarkasmus nahm vor ein paar Wochen die Bloggerin Yoani Sanchez die Äußerung von Franziskus auf, Kuba solle seinen Weg fortsetzen und zur "Hauptstadt der Einheit" werden. Franziskus spielte damit auf die Vermittlungsrolle von Kubas Staatspräsident Raul Castro beim historischen Treffen mit dem Patriarchen der russisch-orthodoxen Kirche Kyrill I. sowie das kubanische Engagement bei den in Havanna stattfindenden Friedensgesprächen zwischen der linksgerichteten Farc-Guerilla und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos zur Beendigung des jahrzehntelangen Bürgerkrieges in Kolumbien an. "Die 1000 Jahre, die uns noch fehlen", kommentierte Sanchez verbittert das erste Treffen zwischen Papst und Patriarch seit mehr als einem Jahrtausend. Der Rest der Welt dürfe in Kuba miteinander reden und verhandeln, nur der kubanischen Opposition werde dieses Recht verweigert.

Umso wichtiger wird sein, mit wem sich Obama zeigen wird. Ein Handschlag mit den Dissidenten wäre das Signal, dass sich so viele Oppositionelle erhoffen: die Anerkennung, dass sie als politische Kraft Kubas endlich akzeptiert werden.