Hiroshima. Sieben Jahrzehnte lang hat sich kein Außenminister der USA bemüßigt gefühlt, nach Hiroshima zu reisen, um dort der Opfer des amerikanischen Atombombenabwurfs vom 8. August 1945 zu gedenken. John Kerry hat dieses Versäumnis nun im Rahmen eines G7-Außenministertrefens nachgeholt. An dem 1954 zwischen Atombombenkuppel und Museum errichteten Mahnmal legte Kerry am Montag einen Kranz für die knapp 300.000 Opfer des ersten Atomwaffeneinsatzes der Weltgeschichte nieder.

Angeordnet hatte diesen Präsident Harry S. Truman - ebenso wie den Atombombenabwurf drei Tage später über Nagasaki -, um das mit Hitlerdeutschland verbündete Kaiserreich zur Kapitulation zu zwingen. 70.000 der Einwohner Hiroshimas wurden an jenem Augusttag vor knapp 71 Jahren auf einen Schlag ausradiert, 130.000 starben an den Spätfolgen der Verstrahlung. Auf einem Sockel unter der gewölbeartigen Gedenkstätte stehen ihre Namen feinsäuberlich aufgelistet, darüber prangt die Inschrift "Lasst alle Seelen hier in Frieden ruhen; denn wir wollen das Böse nicht wiederholen".

Mit dem Besuch Kerrys und seiner Kollegen der sieben großen Industrienationen an dem geschichtsträchtigen Ort und der gemeinsamen Kranzniederlegung am Kenotaphen endete das gemeinsame Außenministertreffen der sieben größten Industrienationen. In der gemeinsamen Erklärung sprachen sich die Chefdiplomaten Kanadas, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens, Deutschlands, der USA und Japans für "eine Welt ohne Atomwaffen" aus - wenngleich drei dieser Länder selbst Atommächte sind. Weltweit gibt es insgesamt noch gut 15.800 Nuklearsprengköpfe, allein die USA besitzen mehr als 7200, etwa ebensoviele befinden sich im Besitz Russlands, das aufgrund der Krim-Annexion aus dem Kreis der G8 verbannt wurde.

Die G7-Außenminister verurteilten in Hiroshima zudem "auf das Schärfste" Nordkoreas wiederholte Atom- und Raketentests. Sie forderten das Regime in Pjöngjang auf, weitere Atomtests oder Starts ballistischer Raketen sowie jegliche andere "destabilisierende oder provokative Aktionen" zu unterlassen und sämtliche Atomwaffen sowie Nuklear- und Raketenprogramme nachprüfbar abzuschaffen.

Er hoffe, erklärte Kerry, dass der Besuch allen "die Bedeutung von Frieden und die Bedeutung starker Verbündeter" vor Augen führe. Letztlich hofften alle, die Welt von Massenvernichtungswaffen zu befreien. Eine Entschuldigung für den Atombombenabwurf sprach er aber nicht aus. Gastgeber Japan hofft, dass Kerrys Besuch den Weg für US-Präsident Barack Obama ebnet, anlässlich des G7-Gipfels der Staats- und Regierungschefs bei Tokio Ende Mai ebenfalls nach Hiroshima zu kommen.