Damaskus. Bei dem Angriff auf ein Krankenhaus im nordsyrischen Aleppo haben Rebellen nach Angaben des Regimes mindestens drei Frauen getötet. 17 Frauen und Kinder seien durch den Raketenbeschuss auf die Klinik verletzt worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Dienstag.

Die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete ebenfalls Opfer und erklärte, das Krankenhaus sei stark beschädigt worden. Rebellen hatten seit dem Morgen zahlreiche Regimeviertel im Westen Aleppos massiv beschossen. Sana zufolge stieg die Zahl Toten bei den Angriffen auf 20. Dutzende Menschen seien verletzt worden. Die Rebellen hätten Dutzende Geschosse abgefeuert. Die Kämpfe in der Stadt gingen weiter.

Trotz einer seit Ende Februar geltenden Waffenruhe ist die Gewalt in Aleppo in den vergangenen Wochen eskaliert. In der vergangenen Woche kamen bei einem Luftangriff auf ein anderes Krankenhaus in einem Rebellenviertel mehr als 50 Menschen ums Leben. Die Opposition und Regierungen im Westen machten dafür die syrische Luftwaffe verantwortlich, die die Vorwürfe zurückwies. Aleppo ist der am härtesten umkämpfte Schauplatz des syrischen Bürgerkrieges.

Auch in der syrischen IS-Hochburg Raqqa kam diese Woche zu einer neuerlichen Eskalation: Bei Luftangriffen auf Raqqa sind laut Aktivisten 13 Zivilisten getötet worden. Die Stadt, die die Dschihadistenorganisation Islamischer Staat (IS) als ihre Hauptstadt betrachtet, sei 35 Mal angegriffen worden, erklärte die oppositionsnahe Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag. Es seien die heftigsten Angriffe seit Wochen gewesen.

Ob die nordsyrische Stadt von der russischen Luftwaffe oder von der US-geführten Anti-IS-Koalition angegriffen wurde, blieb zunächst unklar. Getroffen worden sei unter anderem das öffentliche Stadion, sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Unter den Opfern seien auch fünf IS-Kämpfer. Seine Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden.

In Syrien wurde zwar eine Waffenruhe ausgerufen. Allerdings sind islamistische Extremisten davon ausgenommen. Dem Bürgerkrieg sind seit dem Beginn vor mehr als fünf Jahren 270.000 Menschen zum Opfer gefallen. Die diplomatischen Bemühungen um eine politische Lösung treten auf der Stelle.

Speziell für die Region um Aleppo schloss Syriens enger Partner Russland aber eine Waffenruhe nicht aus, die vielleicht noch "in den nächsten Stunden" erklärt werden könnte, sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag bei einem Treffen mit dem UNO-Sonderbeauftragten Staffan de Mistura in Moskau laut Interfax.

Eine Feuerpause würde aber für die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und die Al-Nusra-Front nicht gelten. Lawrow kündigte an, dass Russen und Amerikaner künftig auch von Genf aus die Einhaltung der Waffenruhe in Syrien überwachen wollten.

Unterdessen griff der IS nördlich von seiner irakischen Hochburg Mossul mehrere Kurden-Stellungen an. Es handle sich um die größte Offensive der Extremisten seit Monaten, sagte der Generalsekretär der kurdischen Peschmerga-Einheiten, Jabbar Jawar. Die Kämpfe dauerten an.

Der Chef der christlichen Verteidigungskräfte von Ninewe, die an der Seite der kurdischen Peschmerga kämpfen, sagte, ihre Stellungen seien vom IS im Morgengrauen überrannt worden. Anschließend hätten die Islamisten vorübergehend den Ort Tel Askof 20 Kilometer nördlich von Mossul besetzt. Der IS habe bei seinen Vorstößen viele Selbstmordattentäter eingesetzt. Erst mit Hilfe von Luftangriffen der US-geführten Anti-IS-Koalition seien die Angreifer zurückgedrängt worden.

Der IS hatte Mossul im Sommer 2014 erobert.