Insgesamt sind hier 50 Soldaten stationiert. Die meisten schlafen um diese Zeit, so der Colonel. "Nachts müssen sie bereit sein, dann kommen die Daesh näher. Sie schießen mit Granatwerfern und schicken ihre Sniper, aber wir sehen sie mit unseren Nachtsichtgeräten." Drüben bei den Stellungen des IS gebe es auch Panzer. Abrams Kampfpanzer, die sie von der irakischen Armee erbeutet haben. "Sie basteln sich auch eigene Panzer aus Pick-ups." Ob es panzerbrechende Waffen gebe? Ein Panzerabwehrsystem "Milan" für den gesamten Frontabschnitt. "Das können wir herschaffen, wenn nötig", sagt der Colonel. Dann lässt er von einem Soldaten eine schwedische Einweg-Panzerbüchse, Kaliber 84, holen. Wie viele er davon habe? Der Colonel zieht an seiner Zigarette: "Ein Stück."

"Wir sind hier, um unsere Grenzen zu sichern"


Der Tee ist ausgetrunken. Vorbei am Klohäuschen, an dessen Außenwand Waschbecken und Spiegel befestigt sind, geht es über einen mit Sandsäcken geschützten Treppenaufgang auf das Dach des Hauses. Von hier fällt der Blick auf eine weite Ebene, aus der vereinzelt Rohbauten und einige schiefe Strommasten hervorragen. In zwei Kilometern Entfernung - "Sehen Sie den Streifen dunkler Bäume dort vorne?" - liegt die Stellung des Islamischen Staates.

Der Posten des Colonel ist einer von acht, die sich über eine Frontlinie von 20 Kilometern verteilen. 400 Peschmerga sind an diesem Abschnitt im Einsatz. Vor vier Monaten startete der IS hier seinen letzten großen Angriff. "Sie kamen mit schweren Maschinengewehren, Mörsern und Pick-ups voller Sprengstoff." Seiher sind die Fronten festgefahren.

Der Colonel blickt über die Sandsackmauer, wo sich in der Ferne die Konturen von Häusern abzeichnen. "Diese Dörfer, in denen sich Daesh festgesetzt hat, könnten wir leicht einnehmen", sagt er. "Aber wir sind nicht hier, um eine Offensive zu führen. Wir sind hier, um unsere Grenzen zu sichern."

"Als wäre die ganze Welt
auf unserer Seite"


In einem fensterlosen Raum im Erdgeschoss versammelt man sich zum Essen. Ein Teppich auf dem Boden, Matratzen an der Wand. Im TV Frontberichte: Die Mossul-Offensive sei bei Al-Nasser stecken geblieben, 35 Kilometer vor Mossul. Von einer Beteiligung der Peschmerga an der Offensive hält der Colonel wenig. "Die kurdische Armee soll von Mossul wegbleiben und nur in kurdischen Gebieten operieren." Die Offensive sei politisch brisant, sagt er und spielt damit auf Konflikte zwischen den Kurden und der Zentralregierung in Bagdad an, bei denen es um die Frage nach der territorialen Zugehörigkeit der Provinz Mossul geht. Eroberten die Kurden die Stadt, würden die Araber ihnen vorwerfen, sie angegriffen und ihr Land geraubt zu haben, glaubt der Colonel.

Khfor hat bereits gegen Saddam Husseins Baath-Regime gekämpft. Viele ehemalige Baathisten haben sich dem IS angeschlossen, er weiß also, mit wem er es zu tun hat. "Damals wie heute wollen unsere Gegner das kurdische Volk ausrotten, damals wie heute kommen dafür chemische Waffen zum Einsatz." Neu seien allerdings die Selbstmordangriffe, die habe es unter Saddam nicht gegeben, erzählt er.

Und noch etwas sei anders: Früher hätten viele westliche Staaten Waffen an Saddam Hussein geliefert - Deutschland und die Niederlande die Substanzen für chemische Kampfstoffe, Österreich Kanonen, Frankreich Mirage-Kampfflugzeuge. "Mit diesen Waffen hat Saddam Kurden getötet." Heute sei es anders. "Diesmal haben wir das Gefühl, als wäre die ganze Welt auf unserer Seite."