Port Moresby/Wien. (klh/reu/apa) So kann man auch auf Anschuldigungen und gerichtliche Untersuchungen reagieren: 2014 hatte die Justiz in Papua-Neuguinea einen Haftbefehl gegen Premier Peter O’Neill erlassen. Denn er stand im Verdacht, Millionen von Euro an Staatsgeldern für betrügerische Rechnungen einer Anwaltskanzlei ausgezahlt zu haben. O’Neill entließ daraufhin den Polizeichef, den Generalstaatsanwalt und zahlreiche weitere Justiz- und Polizeiangehörige. Die Anti-Korruptionsbehörde, die den Fall ins Rollen gebracht hatte, löste er kurzerhand gleich als Ganzes auf.

Doch aus der Schusslinie seiner Kritiker konnte sich der Premier damit nicht nehmen, vielmehr stieg deren Wut. Denn O’Neills Verhalten ist Ausruck der Misere des Staates: Papua-Neuguinea leidet unter massiver Korruption in Wirtschaft und Politik, während große Teile der Bevölkerung arm sind und sich durch einfachste Landwirtschaft selbst versorgen. Die Kriminalität ist enorm hoch, was mit ein Grund ist, warum der Tourismus trotz spektakulärer Landschaften nicht in Gang kommt.

Seine Gegner fordern O’Neills Rücktritt. Schon seit Wochen bestreiken deshalb Studenten die Universitäten des pazifischen Inselstaates. Am Mittwoch ist der Konflikt eskaliert. Studenten wollten in der Hauptstadt Port Moresby den Druck auf O’Neill durch einen Protestzug vor das Parlament erhöhen. Doch bereits vor dem Campus empfing sie die Polizei. Kurz darauf lag Tränengas in der Luft, fielen Schüsse. Die genauen Opferzahlen sind unklar, zunächst wurde von vier Toten berichtet, die Regierung bestritt dies und sprach von 23 Verletzten.

Unklar ist auch, wie es zu der Eskalation kam: Der Regierung zufolge wehrte sich die Polizei gegen Attacken von Studenten. Deren Version hörte sich ganz anders an: Demnach habe vielmehr die Polizei gleich einmal mit Gewehrkolben auf die Studenten eingeschlagen und dann wahllos auf sie geschossen.

Wütender Protest vor Spital

Danach kam es jedenfalls zu Plünderungen und Straßenschlachten. Greg Anderson, der Vorsitzende eines örtlichen Zusammenschlusses von Industriellen, warnte davor, dass das Schlimmste noch bevorstehen könnte. "Derartige Vorfälle lösen gewöhnlich Rachekate aus, und die Situation könnte schnell außer Kontrolle geraten", sagte er.

Denn in Papua-Neuguinea sind Clanstrukturen noch sehr stark verbreitet. Vielerorts gilt es daher als ungeschriebenes Gesetz, dass ein Angriff auf ein Clanmitglied vergolten werden muss. Der wütende Vater eines verwundeten Studenten verkündete bereits laut Augenzeugen vor dem Krankenhaus, dass er Premier O’Neill den Kopf abschneiden werde. Seine Zuhörer jubelten ihm zu.