Blairs Kritiker mochten das, nach Chilcots Report, nicht mehr hören. Ihren Zorn erregte vor allem eine Notiz, die Blair Bush im Juli 2002 übermittelte: "I will be with you whatever" (Ich steh zu dir, was auch immer passiert). Im September desselben Jahres präsentierte der Brite seinem Parlament das umstrittene Geheimdienst-Dossier mit den "Massenvernichtungswaffen", das laut Chilcot "das Vertrauen in Regierungs-Statements auf lange Zeit hin untergrub".

Der Ex-Premier habe, hinter den Kulissen, zum Krieg gedrängt, als kein Krieg erforderlich war, ist das Fazit des Chilcot-Reports. Blair streitet das ab. Sein Labour-Nachfolger Jeremy Corbyn, ein leidenschaftlicher Irakkriegs-Gegner, erklärte am Mittwoch bitter, Blair habe das Parlament "getäuscht", und die Abgeordneten müssten daraus "Konsequenzen" ziehen.

Juristen schlossen eine Strafverfolgung Blairs nicht aus, hielten sie aber für unwahrscheinlich, weil sich die Gerichte scheuen würden, einen ehemaligen Premierminister "wegen politischer Entscheidungen" zur Verantwortung zu ziehen.