Juba. Nach dem heftigen Aufflammen des Bürgerkriegs im Südsudan hat Präsident Salva Kiir ein sofortiges Ende der Kämpfe zwischen der Armee und Truppen des Vizepräsidenten Riek Machar gefordert. Der Aufruf gehe an die Generäle in beiden Armeen, sagte Bergbauminister Taban Deng am Sonntag. Die Kämpfe waren zum fünften Jahrestag der Unabhängigkeit ausgebrochen und forderten Dutzende Tote.

Zwischen Freitag und Sonntag wurden nach Regierungsangaben in der Hauptstadt Juba rund 270 Menschen getötet. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Gewalt. "Ich bin schockiert und abgestoßen von den schweren Kämpfen, die derzeit in Juba geschehen", erklärte Ban in New York. Der UNO-Sicherheitsrat berief eine außerplanmäßige Sitzung zum Thema ein. "Diese sinnlose Gewalt ist inakzeptabel. Sie hat das Potenzial, den bisherigen Fortschritt im Friedensprozess umzukehren", erklärte Ban.

Die UNO-Mission im Südsudan (UNMISS) berichtete, zwei ihrer Unterkünfte in der Hauptstadt Juba seien bei den Kämpfen beschädigt worden. Berichte über mögliche Opfer wurden nicht kommentiert.

"Dramatische Eskalation"

Rund 10.000 Menschen flohen nach Angaben humanitärer Helfer vor den Kämpfen der Regierungstruppen (SPLA) mit den früheren Rebellen (SPLA-IO) des Vizepräsidenten.

Mehrere EU-Politiker, darunter die Außenbeauftragte Federica Mogherini, sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einer "dramatischen Eskalation". Die EU werde sich zusammen mit der internationalen Gemeinschaft und Südsudans Nachbarn dafür einsetzen, dass der Friede wieder hergestellt werde, UNO-Einrichtungen vorrangig geschützt würden und den Verantwortlichen für die Gewalt härteste Konsequenzen drohten.

Das Regierungsviertel in Juba war am Wochenende heftig umkämpft. Am Sonntag konzentrierten sich die auch mit Panzern und Kampfhubschraubern ausgetragenen Gefechte vor allem auf den Süden der Stadt, wo Vizepräsident Machar seine Residenz hat. Auch am Flughafen Jubas gab es heftige Kämpfe, der Flugbetrieb wurde eingestellt. Die US-Botschaft sprach von Gefechten "in ganz Juba".

Die Gefechte in Juba hatten am Freitagabend in der Nähe des Präsidentenpalastes begonnen, während sich Kiir mit Machar traf. Beide hatten ihren Ende 2013 begonnenen blutigen Machtkampf offiziell beigelegt und im April eine Einheitsregierung gebildet. Seit Ende 2013 waren in diesem Bürgerkrieg Zehntausende Menschen ums Leben gekommen und rund 2,5 Millionen vor der Gewalt geflohen.

Der überwiegend christliche Südsudan hatte sich in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg die Unabhängigkeit vom muslimischen Norden erkämpft. Sie trat am 9. Juli 2011 offiziell in Kraft.