Juba/Genf. Mindestens 36.000 Zivilisten suchen in UNO-Einrichtungen und anderen Gebäuden in der südsudanesischen Hauptstadt Juba nach Angaben der Vereinten Nationen Schutz vor den Kämpfen in dem ostafrikanischen Land. Menschen würden in Kirchen oder Schulen ohne Wasser und ohne Toiletten ausharren, erklärte die Weltgesundheitsorganisation WHO am Dienstag in Genf.

Die Schutzsuchenden könnten wegen der Kämpfe schwer versorgt werden. Das Flüchtlingshilfswerk UNHCR forderte die Nachbarländer des Südsudans auf, ihre Grenzen für Asylsuchende zu öffnen. Man bereite sich auf Flüchtlingsströme vor.

Unabhängigkeit brachte keinen Frieden

Der Südsudan erlangte am 9. Juli 2011 die Unabhängigkeit vom Sudan. Ein Machtkampf zwischen Präsident Salva Kiir und Vizepräsident Machar führte Ende 2013 zu einem Bürgerkrieg. Beide Seiten hatten sich bis zu einem Friedensschluss vor knapp einem Jahr offen bekämpft. Nun droht das Land wieder ins Chaos abzugleiten. Dem Konflikt fielen Zehntausende Menschen zum Opfer, rund 2,5 Millionen weitere befinden sich nach Angaben der Vereinten Nationen auf der Flucht.

Warum es nun zu Kämpfen kam und welche Ziele dabei verfolgt wurden, ist unklar. Es gibt Sorgen, es könne wieder zu einer ethnisch motivierten Eskalation kommen. Kiir gehört den Dinka an, Machar zählt zur Volksgruppe der Nuer.

Armes Land trotz reicher Ölvorkommen

Der Sudan war einst der flächenmäßig größte Staat Afrikas. Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg und einem Volksentscheid wurde der überwiegend christliche Süden vor fünf Jahren vom islamischen Norden unabhängig. Die Wirtschaft beider Länder hängt stark von der Ölproduktion ab. Die meisten Reserven liegen im Süden, der Transport läuft aber über Leitungen im Norden.

Allein der Südsudan ist noch immer fast doppelt so groß wie Deutschland und gehört zu den am wenigsten entwickelten Ländern Afrikas. Zwei Drittel der rund 12 Millionen Einwohner sind jünger als 30. Lesen und schreiben können die wenigsten.