Ankara/Moskau. (sig/reuters/afp) "Verpiss dich, Ungläubiger!" So lautet die eindeutige Botschaft, die Burhan Kuzu, Chefberater des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, am Wochenende via Twitter an Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) richtete. Der Grund für die schriftliche Eruption des AKP-Abgeordneten: Ankara ist empört darüber, dass sich Kern und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) in Brüssel für einen Ausstieg aus den Beitrittsgesprächen mit Ankara starkmachen wollen.

Diplomatischere Worte findet die türkische Regierung für Moskau. Bei seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Dienstag in St. Petersburg will Erdogan den schweren bilateralen Streit endgültig beilegen. "Es wird ein historischer Besuch, ein Neuanfang. Bei den Gesprächen mit meinem Freund Wladimir wird eine neue Seite in den beiderseitigen Beziehungen aufgeschlagen", sagte er der Agentur Tass. Russland und die Türkei könnten zusammen viel erreichen.

Große Erwartungen


Ende November hatte die Türkei einen russischen Bomber im Grenzgebiet zu Syrien abgeschossen. Moskau hatte daraufhin massive Sanktionen, etwa im Tourismus, gegen Ankara verhängt. Ende Juni hatte Erdogan dann in einem Brief sein Bedauern über den Zwischenfall bekräftigt, woraufhin Moskau die Sanktionen lockerte.

Die türkisch-russische Annäherung dürfte also vor allem wirtschaftspolitische Gründe haben: Nicht nur wagt die türkische Tourismusbranche nach einigen dürren Monaten wieder zu hoffen. Moskau will auch mehr Erdgas durch das Schwarze Meer und Anatolien nach Europa pumpen und baut außerdem ein Atomkraftwerk an der türkischen Südküste. Auch die Position gegen den Iran, dessen Macht in der Region Moskau wie Ankara eingrenzen wollen, verbindet die beiden Länder.

Das war es dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Historisch sind die Staaten seit Jahrhunderten Rivalen, auch in Syrien stehen sie auf entgegengesetzten Seiten: Erdogan ist ein Gegner von Präsident Bashar al-Assad und möchte ihn lieber heute als morgen gestürzt sehen, Putin ist ein Freund des Regimes in Damaskus und unterstützt es auch militärisch. "Ohne Russland ist es unmöglich, in Syrien eine Lösung zu finden. Nur in Zusammenarbeit mit Russland können wir die Krise in Syrien lösen", sagte der türkische Präsident nun diplomatisch.