Damaskus/London. (is) Hochrangige Mitglieder des Assad-Regimes schneiden bei der Verteilung der UNO-Hilfe für Syriens Zivilbevölkerung kräftig mit. Das geht aus Dokumenten hervor, die der britischen Zeitung "The Guardian" zugespielt wurden. Demnach stehen zahlreiche Freunde und Familienangehörige von Ministern Bashar al-Assads auf der Gehaltsliste aller im Bürgerkriegsland tätigen UNO-Büros - einschließlich des UN-Flüchtlingshochkommissariats UNHCR und der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Namen der fragwürdigen "UNO-Mitarbeiter" würden auf Bitten der Vereinten Nationen "aus Sicherheitsgründen" nicht publik gemacht, schreibt das Blatt in seiner Freitagausgabe.

Die UNO räumte damit aber gleichzeitig ein, dass der Bericht stimmt. Die von den Mitgliedsstaaten finanzierte Weltorganisation rechtfertigt sich damit, dass ihre Hilfsorganisationen der "Beschaffenheit der syrischen Gesellschaft" Rechnung tragen und mit allen Konfliktpartei zusammenarbeiten müsse. Darüber hinaus würden "familiäre Verbindungen beim Anheuern von Mitarbeitern weder berücksichtigt noch untersucht" - ebenso wenig die politische Einstellung, meinte ein Sprecher zum "Guardian". Eine Einschränkung des Prinzips der Unparteilichkeit sieht er durch die Personalpolitik nicht, auch keine Beeinträchtigung der Arbeit für die Hilfsorganisationen.

Allerdings flossen zwei Drittel (64 Prozent) der von der WHO seit Jahresbeginn bereitgestellten Mittel zur Versorgung von Kriegsopfern in Gebiete, die von der syrischen Regierung kontrolliert werden. Nur 13 Prozent der Medikamente und medizinischen Geräte erreichten hingegen die von Rebellen belagerten Regionen. Mit ein Grund ist, dass das Regime in Damaskus den UN-Hilfsorganisationen die lokalen Partnerverbände vorschreiben will, über die sie ihre Hilfslieferungen verteilen lassen müssen. Weil sie die UNO dagegen zu wenig auflehnt, kündigten inzwischen 73 Hilfsorganisationen den UN-Institutionen in Syrien ihre Zusammenarbeit auf. Vor allem in Aleppo hatte sich die humanitäre Lage für die 250.000 im Osten seit Monaten eingekesselten Einwohner drastisch verschärft. Und es dürfte für sie noch schlimmer kommen.

Neue Offensive in Aleppo


Am Freitag sind nach einer viertägigen Feuerpause die Kämpfe zwischen den Rebellen und Assads Truppen wieder voll entbrannt. Letztere wurden erneut von russischen Kampfjets unterstützt. Die Rebellengruppen starteten in der Nacht auf Freitag eine Großoffensive, um den Belagerungsring um die Stadt zu sprengen. Allein im Südwesten schlugen laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 150 Raketen und Granaten ein. Aktivisten berichteten von dutzenden Toten und mehr als 100 Verletzten in der Zivilbevölkerung. Russische Diplomaten hatten zuletzt Öl ins Feuer gegossen, indem sie dem Assad-Regime einen Freibrief für die Eliminierung aller Rebellen der Stadt - nicht nur der rund 1000 Kaida-nahen Kämpfer - gaben.