Johannesburg/Wien. Wer über das große Geld und "Big Business" in Südafrika spricht, der kommt am Gupta-Clan nicht vorbei. Von Minen bis zu Medien, die drei Brüder Ajay, Atul und Rajesh Gupta mischen in allen möglichen Geschäftsfeldern mit. Aber auch in die Politik scheint die indischstämmige Familie beste Verbindungen zu haben. Und die führen mitten in einen Skandal, der für heftige Proteste sorgt und die Präsidentschaft von Jacob Zuma gefährdet.

Dass Zuma engste Verbindungen zum Gupta-Clan pflegt, ist schon lange kein Geheimnis. In einem Untersuchungsbericht der staatlichen Anti-Korruptionsbehörde wird nun aber festgehalten, wie weit die offenbar unlauteren Freundschaftsdienste gingen, die Zuma den Guptas gewährte. Der Staatschef hat demnach dem Clan unzulässig Einfluss auf die Ernennung von Ministern und von Top-Managern in staatlichen Unternehmen ermöglicht.

Beredtes Beispiel dafür ist die Ernennung des früheren Finanzministers Des van Rooyen. Die Öffentlichkeit war überrascht, die Finanzwelt entsetzt, als Zuma diesen ANC-Hinterbänkler im Dezember vergangenen Jahres mit dem Amt betraute. Südafrikas Börse brach damals ein, und die Währung Rand verlor drastisch an Wert. Zuma musste van Rooyen nach vier Tagen wieder entlassen, aber was hatte ihn überhaupt getrieben, diesen einzustellen? Schon damals gab es Gerüchte, dass dieser der Wunschkandidat der Guptas war. Der Bericht hält nun fest, dass van Rooyens Mobiltelefon vor seiner Ernennung mindestens sieben Mal auf dem Gelände der Gupta-Villa in Johannesburg geortet worden war.

Ein pikantes Detail berichtete auch Vize-Finanzminister Mcebisi Jonas. Demnach sei auch ihm der Job als Finanzminister angeboten worden - aber nicht von Zuma, sondern gleich von den Guptas selbst.

Breite Allianz gegen Zuma


Der Bericht listet noch weitere Vorwürfe gegen die Gupta-Brüder auf - mit denen auch einer der Söhne Zumas Geschäfte macht. So sollen sie etwa auch auf die Besetzung von Posten beim staatlichen Stromversorger Eskom Einfluss gehabt haben. Die Guptas streiten die Vorwürfe ab und zeigen sich bereit, sich einem juristischen Verfahren zu stellen.

Der Bericht lässt offen, ob kriminelle Handlungen vorliegen, empfiehlt aber eine weitergehende Untersuchung. Zuma hatte bis zuletzt vergeblich versucht, die Veröffentlichung des Berichts zu verhindern. Denn der Präsident ist ohnehin wegen weiterer Korruptionsaffären angeschlagen. So hatte er etwa seine Privatvilla auf Staatskosten luxuriös ausbauen lassen. Das Verfassungsgericht verpflichtete ihn mittlerweile, die Kosten zurückzuerstatten.

Mit den jüngsten Vorwürfen werden nun die Rufe nach Zumas Rücktritt lauter. So hat die oppositionelle Democratic Alliance gestern, Donnerstag, angekündigt, einen Misstrauensantrag gegen Zuma im Parlament einzubringen. Und schon am Mittwoch forderten gleich nach Veröffentlichung des Berichts tausende Demonstranten in der Hauptstadt Pretoria den Rücktritt von Präsident Zuma. Dabei kam es auch zu handgreiflichen Auseinadersetzungen, gegen einen Teil der Demonstranten setzten die Sicherheitskräfte Wasserwerfer ein.

Es sind aber nicht nur die üblichen Oppositionspolitiker, die sich gegen Zuma wenden. Hochrangige Geschäftsleute fordern einen Führungswechsel, Priester sprechen sich gegen Zuma aus. Selbst im ANC schwindet sein Rückhalt: Veteranen der Anti-Apartheidsbewegung haben mit Zuma gebrochen, und auch manch Funktionär übt nun immer stärker Kritik an ihm. Noch hat Zuma aber innerhalb des ANC genügend hochrangige Unterstützer. Fraglich ist aber, wie lange noch und ob er sich bis zum Ende seiner Amtszeit 2019 halten kann. Denn mit seinen ständigen Korruptionsaffären schadet er auch seiner Partei und gefährdet ihre Macht.

Regionalwahl als Denkzettel


Seit dem Ende der Apartheid war es für den ANC eine Selbstverständlichkeit, dass er, und nur er, Südafrika regiert. Doch bei der Regionalwahl dieses Jahres hat er wichtige Städte wie Port Elizabeth oder Johannesburg an die liberale Democratic Alliance verloren. Die einstige Partei der Weißen hat mit dem Theologen Mmusi Maimane jetzt einen schwarzen Vorsitzenden und zieht nun auch die schwarze Mittelschicht an. Von links wird der ANC von dem Populisten Julius Malema und seinen Economic Freedom Fighters angegriffen. Die Regionalwahl war laut Beobachtern auch eine Abrechnung mit der Gier und der Selbstsucht, die sich innerhalb des ANC breitgemacht haben. Mit den jüngsten Korruptionsvorwürfen erweist Zuma dem ANC nun erneut einen Bärendienst.