Washington/Wien. 20. Jänner 2017. Inauguration Day. Ein neues Staatsoberhaupt zieht in die Pennsylvania Avenue Hausnummer 1600. Das Transition Team, jene Kerngruppe an Mitarbeitern, die die Hofübergabe von Barack Obama, an den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten organisiert haben, muss bis zu diesem Tag ganze Arbeit geleistet haben. Die Büros der wichtigsten Präsidenten-Berater im West Wing des Weißen Hauses müssen bezogen sein, im Oval Office wird nach den Zeremonien und Bällen dieses Tages jene Person, die Obama nachfolgt, hinter dem wuchtigen Schreibtisch Platz nehmen. Von Tag eins wartet eine Menge Arbeit.

1. Steigende Einkommensungleichheit

Die reichsten 80 Milliardäre besitzen heute mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung von 3,5 Milliarden Menschen. Das reichste eine Prozent hat größere Vermögen angehäuft als die restlichen 99 Prozent. Unter den westlichen Industrienationen der OECD ist die Einkommensungleichheit nur in der Türkei, Mexiko und Chile höher als in den USA. In postmodernen, postindustriellen Gesellschaften wird dieser Trend wohl weitergehen: Nie war Zugang zu Bildung wichtiger für eine erfolgreiche Berufskarriere. Eine erstklassige Universitätsausbildung ist in den USA aber extrem teuer - ein Studium an einer Eliteuniversität kostet rund 60.000 Dollar pro Jahr.

2. Wachstum generiert Arbeitsplätze

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten wächst seit Jahren schneller als jene der Eurozone. Im letzten Quartal betrug das Wachstum 2,9 Prozent und lag damit 1,4 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert. Die Arbeitslosenquote lag zuletzt bei 4,9 Prozent. Während in den Hi-Tech-Sektoren viele neue und auch gut bezahlte Arbeitsplätze entstehen, verschwinden immer mehr Jobs in der Industrie. Automation und Fortschritte in der Roboter-Technologie werden in Zukunft noch mehr Industriejobs vernichten. Autonome Fahrzeuge könnten in den USA in den kommenden Jahrzehnten fünf Millionen Berufskraftfahrer aus dem Arbeitsmarkt verdrängen: Vor allem die Jobs von Taxifahrern, Busfahrern und Lkw-Fahrern sind bedroht.

3. Zerbröselnde Infrastruktur

Nichts ist Augen öffnender als ein Flug vom heruntergekommenen New Yorker Flughafen La Guardia zum hochmodernen Flughafen in Shenzhen in Südchina. Um von Manhattan oder Brooklyn nach La Guardia zu gelangen, fährt der Flugpassagier zuerst mit rumpelden U-Bahnzügen und dann mit einem laut brummenden Flughafenbus - in Shenzhen angekommen, geht es vom Terminal mit der hochmodernen U-Bahn direkt ins Zentrum. Amerika, ein Kontinent, der mit modernen Einsenbahnen erschlossen wurde und dessen Netz an Highways das Rückgrat für Mobilität und damit den Nachkriegswohlstand des Landes in den 1950er Jahren bildete, hat in Sachen Verkehrsinfrastruktur längst den Anschluss verloren.

Die öffentlichen Nahverkehrssysteme in den großen Metropolen sind lachhaft, das Eisenbahnnetz hoffnungslos überaltert. Für eine Generalsanierung der öffentlichen Infrastruktur im Land findet das Weiße Haus mit ziemlicher Sicherheit willige Partner im US-Kongress: Denn welcher Senator oder Abgeordnete des Repräsentantenhauses verspricht seinen Wählerinnen und Wählern nicht gerne leistungsfähigere Brücken und Straßen, öffentliche Verkehrsmittel, U-Bahnen und Eisenbahnverbindungen.

4. Russland-Reset: Neue Beziehungen zu Putin?

Russlands Präsident Wladimir Putin hat es in den vergangenen Jahren meisterlich verstanden, sich auf die internationale Bühne zurückzudrängen. Ohne Russland geht derzeit nichts: Moskau kann in der Ost-Ukraine die Spannungen nach Belieben hinauf- oder hinunterregeln, ohne Moskau ist eine Lösung des Syrien-Konflikts derzeit undenkbar.

Die Beziehungen zwischen Moskau und Washington sind schlecht wie seit langem nicht. Barack Obama war während seiner Präsidentschaft um einen Reset der Beziehungen bemüht: Vor allem seinem Außenminister John Kerry gelang es, eine belastbare Vertrauens- und Verhandlungsbasis zu seinem Gegenüber Sergei Lawrow herzustellen und den Atomstreit mit dem Iran zu lösen.

In Syrien haben Washington und Moskau zwar denselben Hauptfeind - nämlich den sogenannten Islamischen Staat (IS) -, aber unterschiedliche Verbündete. Washington ist ein enger Partner Riads, und Saudi-Arabien unterstützt in Syrien (und auch im Irak) vor allem sunnitische Gruppen.

Moskau wiederum steht im Syrien-Konflikt auf derselben Seite wie Saudiarabiens Erzfeind, der Iran: Beide Verbündete unterstützen den syrischen Machthaber Bashar al-Assad. Moskau geht es mit dem militärischen Engagement in Syrien vor allem darum, seinen Einfluss im östlichen Mittelmeerraum zu wahren. Stürzt Bashar al-Assad, dann verliert Moskau die wichtige Marinebasis in Tartus. Die militärischen Abenteuer Putins haben unfreiwillig der US-dominierten Militärallianz Nato neuen Auftrieb gegeben. Zuletzt flogen russische Bomber von Skandinavien bis zur nordspanischen Küste. Abfangjäger von Nato-Mitgliedsländern entlang der Flugroute wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Es gibt zwei Denkschulen in Washington: Die eine Seite will ausloten, ob Moskau mit diplomatischen Mitteln zu einem weniger konfrontativen Kurs gegenüber dem Westen bewegt werden kann, die andere Seite glaubt an eine Politik der Härte gegenüber dem Kreml.