Kairo. Das oberste ägyptische Berufungsgericht hat am Dienstag die Todesstrafe gegen den islamistischen Ex-Präsidenten Mohammed Mursi aufgehoben. Bei ihrer Verhandlung ordneten die Höchstrichter eine Neuaustragung des Prozesses an, in dem es um Mursis Flucht aus dem Gefängnis im Jahr 2011 ging, die angeblich mit Unterstützung der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah erfolgte.

Nach dem Arabischen Frühling hatte Mursi als Kandidat der islamistischen Muslimbruderschaft die Präsidentenwahl im Juni 2012 gewonnen und wurde damit das erste demokratisch gewählte Staatsoberhaupt des Landes. Anfang Juli 2013 wurde er nach Massenprotesten gegen seine autoritäre Herrschaft vom Militär gestürzt. Mursi sitzt seit seinem Sturz in Haft. Trotz heftiger internationaler Kritik hatte ein Gericht Mursi vor eineinhalb Jahren zum Tode verurteilt.

Dauergast auf der Anklagebank: Verfahren gegen Mohammed Mursi
Seit seinem Sturz im Jahr 2013 ist der Islamist Mohammed Mursi ein Dauergast auf ägyptischen Anklagebänken. Eine Übersicht über wichtige Urteile gegen den ersten frei gewählten Präsidenten Ägyptens:

- April 2015: Wegen Anstiftung zur Gewalt gegen Demonstranten wird Mursi zu 20 Jahren Haft verurteilt. Ihm wird vorgeworfen, die Verschleppung und Folterung von Regierungskritikern im Dezember 2012 in Kairo angeordnet zu haben.

- Juni 2016: Ein Gericht verurteilt den 64-Jährigen zu einer lebenslangen Haftstrafe. Die Anklage warf ihm und zehn weiteren Angeklagten den Verrat von Staatsgeheimnissen an das Golfemirat Katar vor.

- November 2016: Das höchste Berufungsgericht des Landes hebt das im Vorjahr verhängte Todesurteil gegen den 65-Jährigen auf und veranlasst ein neues Verfahren. Er soll sich laut Anklage Anfang 2011 mit der palästinensischen Hamas und der libanesischen Hisbollah dazu verschworen haben, einen Gefängnisausbruch zu organisieren.

Kein Urteil wurde bisher in letzter Instanz gesprochen.