Washington. (afp) Dass Donald Trump in den US-Staaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin bei der Präsidentenwahl am 8. November knapp gewann, war eine Riesenüberraschung - im Vorfeld galt dort die Demokratin Hillary Clinton als klare Favoritin. Die Grünen-Präsidentschaftskandidatin Jill Stein wollte deshalb in diesen Staaten die Stimmen nochmals auszählen lassen - wegen "Unregelmäßigkeiten", die sie nicht näher ausführte.

Nun aber machte Stein zumindest in Pennsylvania einen Rückzieher. Sie verwies in einem Schriftstück für das zuständige Gericht darauf, dass die Unterstützer ihres Anliegens "normale Bürger mit normalen finanziellen Mitteln" seien und "die vom Gericht geforderte Summe von einer Million Dollar nicht aufbringen können". Laut ihrer Website hat Stein allerdings bereits sieben Millionen Dollar (6,6 Millionen Euro) an Spenden für das Projekt Neuauszählung gesammelt.

"Die Neuauszählung ist so teuer, weil die gewählten Vertreter es immer abgelehnt haben, in ein dem 21. Jahrhundert angemessenes Wahlsystem zu investieren", kritisierte Stein via Twitter. Für Montag kündigte sie eine Protestkundgebung vor dem Trump Tower in New York an. Sie werde weiter dafür kämpfen, "die Korrektheit, Sicherheit und Fairness der Wahl zu überprüfen".

Bei der Präsidentschaftswahl waren die drei Schlüsselstaaten Pennsylvania, Michigan und Wisconsin ein entscheidender Faktor für Trumps Sieg. Er profitierte vom US-Wahlsystem und siegte, obwohl Clinton ihn landesweit um rund 2,5 Millionen Stimmen abhängte. Das liegt daran, dass der Präsident nicht direkt von den Wählern bestimmt wird, sondern von einem Wahlleute-Kollegium. Für dessen Zusammensetzung ist nicht das landesweite Ergebnis entscheidend, sondern jenes in den einzelnen Staaten. In den meisten Staaten bekommt der Gewinner im Staat sämtliche dortigen Wahlleute zugeschlagen.

Der rechtspopulistische Immobilienmogul hatte nach den bisherigen Ergebnissen in Michigan einen Vorsprung von rund 10.700 Stimmen, in Wisconsin waren es etwa 27.300 und in Pennsylania circa 67.400. Trotz dieser knappen Ergebnisse ist es unwahrscheinlich, dass Neuauszählungen etwas an Trumps Wahlsieg ändern würden. Er hatte dennoch versucht, die Neuauszählungen zu verhindern. So führte er in einem in Pennsylvania eingereichten Antrag ins Feld, dass die Grünen-Politikerin keine Belege für eine mögliche Verfälschung der Wahlergebnisse präsentiert habe.

Russlands Präsident Putin
lobt Trump


Indes hat sich der russische Präsident Wladimir Putin lobend über seinen künftigen US-Kollegen geäußert. Dieser werde seine neue Rolle gut ausfüllen. "Dass er geschäftlich Erfolg hat, deutet darauf hin, dass er ein schlauer Mann ist. Und wenn er schlau ist, wird er auch schnell ein anderes Maß an Verantwortung begreifen", so Putin am Sonntag. Der russische Präsident zeigte sich zuversichtlich, dass sich die angespannten Beziehungen zwischen Russland und den USA unter Trump verbessern könnten.

Putins Äußerungen richteten sich offenbar auch an Kritiker Trumps, die ihm seine unkonventionellen Methoden vorwerfen - wie etwa Beschimpfungen seiner Gegner oder politische Aktionen, die mit dem scheidenden Präsidenten Barack Obama nicht abgestimmt wurden. So hatte Trump erst am Freitag mit einem Telefonat mit der Staatschefin Taiwans für diplomatische Verstimmungen mit China gesorgt.