Washington. Steckt Russland hinter der Veröffentlichung von geheimen NSA-Akten aus dem Deutschen Bundestag? Und inwieweit hat Russland die Wahlen in den USA beeinflusst? Geht es nach dem US-Geheimdienst CIA, habe Russland die Präsidentenwahl zugunsten Donald Trumps beeinflusst. Wie die "Washington Post" unter Berufung auf interne CIA-Unterlagen berichtet, versorgten Insider mit Verbindungen nach Moskau Wikileaks mit gehackten E-Mails der Demokratischen Partei. Trumps Team wies den Bericht zurück.

Wie die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" außerdem berichtet, soll hinter der Veröffentlichung von mehr als 2.400 geheimen Akten aus dem NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags ebenfalls Russland stecken. Es gebe eine "hohe Plausibilität, dass die Akten aus dem Cyber-Angriff Russlands auf den Bundestag im Frühjahr 2015 stammen", zitierte die Zeitung einen hohen Sicherheitsbeamten. Die Akten waren vor zwei Wochen auf der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlicht worden.

 Trumps Team weist Angaben zurück

Doch zurück in die USA: Nach Einschätzung der CIA sei es Russlands Ziel gewesen, "Trump zur Wahl zu verhelfen", zitierte die "Washington Post" einen ranghohen US-Beamten. Dies sei "allgemeiner Konsens" in Geheimdienstkreisen. Dem Bericht zufolge informierten CIA-Beamte vor wenigen Tagen wichtige Mitglieder des Senats über ihre Schlussfolgerungen.

Trumps Team rügte die Rückschlüsse der Geheimdienstmitarbeiter. "Dies sind dieselben Leute, die gesagt haben, Saddam Hussein habe Massenvernichtungswaffen", hieß es in einer am Freitagabend verbreiteten Erklärung.

Und am Sonntag meldete sich auch Trump selbst zu Wort. Der Vorwurf sei "lächerlich", sagte der Republikaner in einem Interview des Senders Fox News. "Ich denke, das ist schon wieder eine Ausrede. Das glaube ich nicht." Für die entsprechenden Berichte seien Politiker der Demokraten und nicht der US-Auslandsgeheimdienst CIA verantwortlich.

Untersuchung der Hackerangriffe angeordnet

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hatte am Freitag eine umfassende Untersuchung der Hackerangriffe während des Präsidentschaftswahlkampfs angeordnet. Die Ergebnisse sollen noch vor Ende seiner Amtszeit am 20. Jänner vorliegen.

Der Wahlkampf der gegen den Rechtspopulisten Trump unterlegenen Demokratin Hillary Clinton war durch die Cyberangriffe beeinträchtigt worden. Durch die Attacken kamen vertrauliche E-Mails aus der Parteizentrale der Demokraten sowie aus dem Mailkonto von Clintons Wahlkampfmanager John Podesta ans Licht. Dabei ging es unter anderem um das Vorgehen gegen Clintons parteiinternen Rivalen bei der Präsidentschaftswahl, den politisch links von ihr angesiedelten Senator Bernie Sanders.

 Viele offene Fragen

Der US-Geheimdienstkoordinator James Clapper sowie das Heimatschutzministerium hatten die russische Regierung bereits Anfang Oktober - also einen Monat vor der Wahl - beschuldigt, hinter den Hackerangriffen zu stecken. Moskau wies dies als "Unsinn" zurück.

Die "New York Times" berichtete unterdessen unter Berufung auf einen ranghohen Regierungsbeamten, die Russen hätten auch E-Mails von Trumps Republikanischer Partei gehackt, davon aber "auffallenderweise" nichts an die Öffentlichkeit gebracht.

Nach Einschätzung der "Washington Post" bleiben viele Fragen offen. So hätten die CIA-Agenten keinen Beweis dafür, dass russische Stellen die Insider mit Verbindungen nach Moskau dazu brachten, Wikileaks die gehackten E-Mails zukommen zu lassen. Der Mitbegründer der Enthüllungsplattform, Julian Assange, bestreitet Verbindungen zu Russland.