Andere ließen sich auf diese riskante Tätigkeit ein. Der Journalist Luke Mogelson berichtet im "New Yorker" über eine Widerstandsgruppe von 16 Personen, darunter ein ehemaliger Busfahrer. Als Grund, sich gegen den IS zu erheben, nennt er deren Zerstörung heiliger Stätten wie das Grabmal des Propheten Jonas. Die Gruppe fuhr durch Mossul, fotografierte Militärstützpunkte des IS und gab die Koordinaten an die irakischen Streitkräfte weiter.

2015 wird ein Mitglied der Gruppe verhaftet, bald darauf auch der Rest. Vier Männer werden in das Auto gesetzt, die Hände an die Haltegriffe gefesselt. Ein IS-Kämpfer beschießt das Auto mit einer Panzerbüchse, das kurz darauf in Flammen aufgeht. Andere wurden von den Dschihadisten in einen Metallkäfig gesperrt, den ein Kran in das Wasser eines Swimmingpools taucht. Unterwasserkameras filmen die Ertrinkenden in ihrem Todeskampf. Osman kennt diese Szenen. "Der IS zeigte Videos von Hinrichtungen an öffentlichen Plätzen in ganz Mossul."

Die grausamen Hinrichtungen konnten den Widerstand nicht brechen: Im Sommer 2016 drangen Gerüchte über Revolten gegen den Islamischen Staat aus Mossul nach draußen. Im Juli soll es Schusswechsel in der verwinkelten Altstadt am Westufer des Tigris und in einem Vorort Mossuls gegeben haben. Ein halbes Dutzend Kalifat-Kämpfer wurde dabei getötet. Während der Mossul-Offensive im November habe sich der zivile Widerstand auf mehrere Bezirke ausgeweitet. Die Dschihadisten sprengten die fünf Brücken über den Tigris und zogen sich in den Westteil zurück.

"Auch am Westufer haben sich Zivilisten bewaffnet", sagt Leutnant Ali, in der schwarzen Uniform der Goldenen Division, einer Spezialeinheit der irakischen Armee. Ihre Anschläge können dazu beitragen den IS weiter zu verunsichern.

Angriff auf West-Mossul

Die Einheit der Goldenen Division hat sich in den Häusern nahe des Tigris-Ufers eingerichtet. Am grauen Himmel tauchen immer wieder Drohen auf. Darunter handelsübliche Modelle, die der IS umgebaut und mit Granaten bestückt hat. "Fünf Drohnen haben wir in den vergangenen zehn Tagen vom Himmel geschossen", so Leutnant Ali. Doch die Angriffe am Flussufer sind Geplänkel. Der Tigris trennt die Stellungen der irakischen Streitkräfte von jenen des IS. Manchmal kommen Dschihadisten als Zivilisten getarnt über den Fluss und verschanzen sich in der Uferböschung, so der Leutnant: "Die das wagen, wollen einfach sterben."

Bei dem bevorstehenden Angriff der Streitkräfte auf West-Mossul wird auch die Goldene Division beteiligt sein. Leutnant Alis Einheit wird daher vom Flussufer abgezogen. Satellitenbilder zeigen die verwinkelten Gassen der Altstadt in West-Mossul. Den irakischen Streitkräften stehen Häuserkampfe in dicht besiedeltem Gebiet bevor. Welche Rolle Zivilisten dann spielen können, wird sich erst zeigen.