Genf. Seit zwei Jahren dauert der Krieg im Jemen bereits und hat zu einer humanitären Katastrophe im Land geführt. Die Verantwortung daran teilen sich mehrere Länder, die mit anhaltenden Waffenlieferungen seit 2015 für mehr als fünf Milliarden US-Dollar Waffen an Saudi-Arabien geschickt haben. Soviel haben alleine Großbritannien und die USA beigetragen: Das Zehnfache ihrer im gleichen Zeitraum zugesprochenen oder budgetierten Hilfsgelder, die sich auf etwa 450 Millonen US-Dollar belaufen.

Das berichtet die Hilfsorganisation Amnesty International am Donnerstag unter Berufung auf Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (SIPRI) und fordert ein sofortiges Waffenembargo sowie die unabhängige Untersuchung mutmaßlicher Kriegsverbrechen.

In Recherchen der vergangenen Jahre stieß die NGO vor Ort auf massive Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen aller Konfliktparteien. Darunter 34 Luftangriffe der Koalition unter Führung Saudi-Arabiens auf Zivilisten, bei denen 494 Menschen ums Leben kamen. 148 davon waren Kinder.

Rotes Kreuz schlägt Alarm

Die Hungerkrise in Ostafrika wird immer schlimmer. Jetzt hat das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) Alarm geschlagen: "Wir haben es mit einer massiven Krise zu tun", sagte Einsatzleiter Dominik Stillhart am Mittwoch in Genf. Es geht um den Südsudan, Somalia, Nigeria und den Jemen.

Die Hilfe müsse deutlich ausgeweitet werden. Das IKRK hatte Geber um 400 Millionen Dollar (370,30 Millionen Euro) gebeten, bekam aber bisher nur ein Viertel. Der Aufruf der Vereinten Nationen für die Nothilfe, bis Ende März 4,4 Milliarden Dollar (4,07 Milliarden Euro) aufzubringen, wurde bis dato nur zu zehn Prozent erfüllt. "20 Millionen Menschen sind in Gefahr zu verhungern. Das sprengt klar den Rahmen dessen, was wir normalerweise sehen", sagte Stillhart.

"Können Konflikt nicht stoppen, aber Leiden lindern"

Aus dem Südsudan flüchten Hunderttausende vor der Gewalt des bewaffneten Konflikts. Die IKRK-Direktorin für Afrika, Patricia Danzi, war im Südsudan und berichtete per Skype von einem 15-jährigen Buben, den sie am Morgen mit einer Schusswunde im Kopf im Krankenhaus antraf. Wie durch ein Wunder war der 15-Jährige nur leicht verletzt. "Wir können den Konflikt nicht stoppen, aber wir können das Leiden der Menschen lindern", sagte sie.

Aus Somalia zeigte das IKRK Videos von Menschen in einem Verpflegungszentrum am Ende ihrer Kräfte. "Wohin sollen wir gehen?" fragte ein Mann verzweifelt. Dort und in Nigeria verschärft eine Dürre die Lage der von Kämpfen Vertriebenen.

400.000 in belagerter Stadt Taes gefangen

Auch im Jemen sind neue Gewalt und der Aufstand von Rebellen vor zwei Jahren Auslöser der Katastrophe. "Es ist wie ein Gefängnis", sagte ein Bewohner von Taes in einem IKRK-Video. Die Stadt sei belagert, die 400.000 Menschen kämen nicht hinaus, berichtete Nahostdirektor Robert Mardini. 90 Prozent der Krankenhäuser funktionierten nicht mehr. Es gebe nur 14 Brunnen in der Stadt. Abfallberge seien eine tödliche Gefahr. Niemand zahle mehr Gehälter, die Menschen hätten nichts. Viele wühlten in Abfällen verzweifelt nach Essen."Es gibt keine Worte, die das Leiden der Menschen beschreiben", sagte er.

Weltgemeinschaft muss reagieren

"Die Hungersnöte sind in erster Linie eine Folge der langen Konflikte", sagte Stillhart. Neben der akut nötigen Lebensmittelhilfe müssten die Anstrengungen verstärkt werden, die Konflikte zu lösen. Er zeigte sich aber optimistisch, dass das Schlimmste abgewendet werden könne, wenn die Weltgemeinschaft rasch reagiere.