Damaskus. Die Zeitungen schreiben am Donnerstag zum Giftgasangriff in Syrien:

"Politiken" (Kopenhagen):

"Bis jetzt haben sich die USA unter Trump an die Seitenlinie gesetzt und Syrien Assad überlassen, ungeachtet dessen, dass seine Legitimität vollkommen verschwunden ist. Das ist eine Tragödie für das syrische Volk und eine schmerzliche Niederlage für die Werte, für die der Westen stehen sollte. (...) Egal, was die USA tun oder nicht tun, kann Europa Syrien immer noch helfen. Wir könnten das Sammeln von Beweisen für Kriegsverbrechen unterstützen, damit sie vor Gericht kommen, die verbleibenden demokratischen Kräfte unterstützen und sichern, dass die humanitäre Nothilfe genug Geld hat. Das einzige, was wir nicht tun dürfen, ist wegsehen und aufgeben."

"Berlingske" (Kopenhagen):

"Es sei denn, es sollte sich entgegen aller Wahrscheinlichkeit zeigen, dass Assad die Wahrheit sagt, sollte der Giftangriff westliche Politiker ein für alle Mal dazu bringen, damit aufzuhören, darüber zu fantasieren, sich mit Assad zu verbünden. Nicht, weil der Westen ihn stürzen kann. Auch nicht, weil wir eine Alternative zu ihm haben. Sondern weil wir einem Mann keine moralische Autorität verleihen wollen, der seine eigene Bevölkerung vergast, und dem 'Islamischen Staat' und Al-Kaida damit ideologische Munition für die nächsten hundert Jahre Krieg gibt."

"Tages-Anzeiger" (Zürich):

"In dem Massaker steckte eine Botschaft an den Neuen in Washington: Die Bomben fielen, nachdem Trumps Diplomaten die Welt darüber informiert hatten, dass Amerika Assad nicht von der Macht entfernen wird. Über Assads Schicksal sollten die Syrer selbst entscheiden, hieß es aus Washington. Der Diktator nahm das erfreut zur Kenntnis - und machte sich umgehend daran, der Entscheidungsfindung mithilfe chemischer Kampfstoffe nachzuhelfen.

Trump wiederum teilte darauf mit, die USA stünden fest an der Seite ihrer Verbündeten, um den Angriff - Achtung! - 'zu verurteilen'. Die Lektion für Assad: Er kann bomben, foltern, vergasen, wie er will - vor Trump muss er keine Angst haben. Die Lektion für die Welt: Früher regierte in Washington ein Präsident, der rote Linien in die Luft malte, diese aber nicht verteidigte. Heute regiert in Washington ein Präsident, der erst gar keine roten Linien zieht, zumindest keine, die das Völkerrecht oder die letzten Reste Menschlichkeit vor Verbrechern wie Assad und seinen Komplizen in Moskau und Teheran schützen. Den Preis dafür bezahlten am Dienstag Dutzende syrische Zivilisten."

"Le Monde" (Paris):

"Dieser Angriff bringt die USA und Donald Trump in eine schwierige Lage. Erst kürzlich frönte man in Washington dem Realismus: Was man auch immer denke, Bashar al-Assad sei ein Schutzwall gegen den Jihadismus. Am Dienstag hieß es dann von Trump, 'die zivilisierte Welt' könne eine Schande wie den Angriff auf Khan Sheikhoun (Chan Scheichun) nicht einfach ignorieren. (...)

Die (Friedens-)Verhandlungen sind an einem toten Punkt angelangt. Die zunehmend passiven Amerikaner und die Russen, die von einer Blockade in Syrien bedroht sind, sprechen kaum miteinander. (...) So sind beide Komplizen einer Barbarei, die allein die Vorstellung eines innersyrischen Dialogs unmöglich erscheinen lässt. (...)

Der Angriff vom Dienstag (...) ist die Fortschreibung einer sich ständig wiederholenden Tragödie. Ohne ein entschiedenes russisch-amerikanisches Handeln, das sowohl die 'Assad-Frage' als auch den Jihadismus angeht, wird es weitere, genauso grausame Episoden geben."

"La Vanguardia" (Barcelona):

"Wenn das (syrische) Regime nicht gezögert hat, schutzlose Bürger mit Giftgas anzugreifen - wie die USA, Europa und die Türkei behaupten -, dann deshalb, weil es Rückendeckung aus Moskau genießt (...) Wir stehen vor der ersten großen Unstimmigkeit zwischen den Präsidenten (Wladimir) Putin und (Donald) Trump. Welche Unterschiede gibt es doch zwischen regieren und Meinungen äußern! Innerhalb weniger Tage wurde der US-Präsident von Nordkorea mit dem Abschuss ballistischer Raketen und nun von Syrien, sprich Moskau, herausgefordert. Bis zu seiner Ankunft im Oval Office hat Trump (Barack) Obama der Passivität bei Herausforderungen aus dem Ausland beschuldigt. Er schädige so das Ansehen der USA in der Welt, hatte Trump gesagt. Man muss nun abwarten, welche Antwort kommt, um die Außenpolitik der Ära Donald Trump wirklich einschätzen zu können."

"Lidove noviny" (Prag):

"Um das Vermächtnis des früheren US-Präsidenten Barack Obama war es zuletzt ruhig geworden, doch der Chemiewaffen-Angriff in der syrischen Provinz Idlib hat die Diskussion darüber wieder eröffnet. (...) Obama hatte im Jahr 2012 gesagt, dass mit dem Einsatz chemischer Waffen eine rote Linie überschritten würde.

Als aber am 21. August 2013 ein Chemiewaffen-Angriff in Damaskus 1.700 Zivilisten tötete, unternahm Obama nichts. (...) In diesem Sinne hat sein Nachfolger Donald Trump recht: Syrien leidet unter den Folgen des Erbes Obamas und darunter, dass die USA sich unter dessen Regierung aus dem Nahen Osten zurückgezogen hatten. Das entstandene Vakuum wurde logischerweise von Moskau gefüllt. Für all dies hatte Obama vor acht Jahren auf Verdacht den Nobelpreis erhalten."