Pjöngjang/Washington. Rund 65 Jahre nach dem Ende des Korea-Krieges wird wieder mit dem Säbel gerasselt: US-Präsident Donald Trump, der Unberechenbare, scheint in Kriegslaune. Innerhalb weniger Tage hat er nicht nur eine Militärbasis in Syrien mit Marschflugkörpern angegriffen. Der US-Präsident, der schon im Alter von 13 Jahren als Kadett an der "New York Military Academy" gedrillt wurde, ließ in Afghanistan die Riesenbombe GBU-43 niedergehen. Es sollen ein IS-Tunnel zerstört und 35 IS-Kämpfer getötet worden sein. Augenzeugen berichten jedenfalls von einem ohrenbetäubenden Knall; Fensterscheiben seien noch in einigen Kilometern Entfernung zu Bruch gegangen.

Kritische US-Medien wie etwa CNN gehen davon aus, dass sich Trump derzeit in der Pose des entschlossenen Oberbefehlshabers der US-Streitkräfte gefällt. Der US-Präsident wird nicht müde, von der Treffsicherheit und hohen Qualität des US-Waffenarsenals zu schwärmen. Zudem dürfte dem Republikaner nicht entgangen sein, dass der Angriff auf Syrien international größtenteils positiv aufgenommen wurde. Gleichzeitig sind die Angriffe ein Mittel, Stärke zu demonstrieren - das hat Trump ja auch während des Wahlkampfes versprochen.

Mit den Angriff in Afghanistan ist Trump jedenfalls kein großes politisches Risiko eingegangen; die Attacke in Syrien war heikler, da die USA dort russischen Interessen ganz massiv in die Quere kommen.

Die große Frage ist jetzt, ob ein solcher US-Präsident in Kampfeslaune eine Attacke auf Nordkorea wagen würde. Anzeichen, dass so etwas in Washington erwogen wird, gibt es. So hat Trump bereits kundgetan, dass das Land offenbar auf Ärger aus sei, und einen Flottenverband losgeschickt. Meldungen über einen Präventivschlag wurden vom Pentagon zuletzt dementiert.

China, Nordkoreas einziger Verbündeter, ist jedenfalls beunruhigt. Peking ruft beide Seiten zur Zurückhaltung auf: Wer die Lage bewusst eskalieren lasse, der trage auch die historische Verantwortung für das, was dann geschehe. China lehnt Nordkoreas Atomwaffenprogramm ab und dringt auf Verhandlungen.

Nun stellt sich die Frage, wie Nordkorea auf einen möglichen konventionellen Militärschlag der USA antworten könnte. Das sind auch die Überlegungen, die mit Sicherheit die Stäbe in Washington und Seoul beschäftigen. Bei einer Eskalation der Situation käme zunächst einmal die südkoreanische Hauptstadt Seoul in Gefahr. Sie liegt nur rund 50 Kilometer von der demilitarisierten Zone entfernt - und ist in Reichweite der nordkoreanischen Artillerie. Nordkorea verfügt über rund 12.000 schwere Geschütze; ein erheblicher Teil ist an der Grenze zum Süden stationiert.

Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un gilt als völlig unberechenbar und somit als gefährlich. Die Drohungen, die er im Norden in regelmäßigen Abständen ausstößt, klingen wie Kriegserklärungen - in Washington ist man darauf aber nie direkt eingegangen.

Veraltete Panzer und Flieger

Nordkoreas militärisches Selbstvertrauen stützt sich auf eine enorm große Armee. Mehr als 1,1 Millionen aktive Soldaten stehen Kim Jong-un zur Verfügung - bei gerade einmal 24 Millionen Einwohnern im Land. 30 Prozent der Nordkoreaner zwischen 15 und 60 Jahren sind in Reserveeinheiten organisiert. 180.000 sind Elitesoldaten.

Doch die Frage ist, ob die kommunistische Militärmacht nicht wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt, sollte es zum Ernstfall kommen. Sicher ist, dass die meisten der rund 5000 nordkoreanischen Panzer russischer Bauart und zu einem großen Teil auch noch aus den 1950er Jahren sind. Das Land ist seit Jahrzehnten durch Misswirtschaft geschwächt; es fehlt nicht nur an Lebensmitteln, sondern an kriegswichtigem Treibstoff. Der modernste Kampfjet der nordkoreanischen Luftwaffe, die MiG-29, wurde Ende der Siebzigerjahre in der Sowjetunion entwickelt. Andere Flugzeuge Nordkoreas stammen gar aus den Sechziger- oder Fünfzigerjahren.

Jetzt wird abgewartet, ob Nordkorea den 105. Geburtstag des 1994 verstorbenen Staatsgründers Kim Il-sung mit Atomtests feiert. Die Zerstörungskraft der nordkoreanischen Atombomben wird gemeinhin als eher schwach eingestuft - und es ist völlig unklar, wie die US-Antwort darauf lauten könnte.