Washington. Bei Staats- und Regierungschefs weltweit sorgt der von US-Präsident Donald Trump verkündete Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen für Entsetzen. Zu den heftigsten Kritikern Trumps gehören aber auch die Vorstandsvorsitzenden führender US-Konzerne - und zwar branchenübergreifend. Beinahe einhellig ist die Ablehnung im Technologiezentrum Silicon Valley: "Die Entscheidung, sich aus dem Pariser Abkommen zurückzuziehen, war falsch für unseren Planeten", twitterte Apple-Chef Tim Cook. Der Beschluss sei "schlecht für die Umwelt, schlecht für die Wirtschaft und gefährdet die Zukunft unserer Kinder", schrieb Facebook-Boss Mark Zuckerberg. Der Chef des Elektro-Autobauers Tesla, Elon Musk, kündigte aus Protest seine Beraterfunktionen beim Präsidenten, ebenso wie Disney-Chef Robert Iger. Intel und Microsoft forderten Trump bereits im April auf, das Abkommen nicht aufzukündigen.

Auch aus der Finanzbranche hagelt es Kritik an Trump: "Die Entscheidung ist ein Rückschlag für die Umwelt und für die US-Führungsposition in der Welt", erklärte der Chef der führenden Investmentbank Goldman Sachs, Lloyd Blankfein, in seinem ersten Kommentar auf Twitter überhaupt. Die Bankenbranche gilt eigentlich als einer der großen Profiteure von Trumps Wahlsieg. Denn der Präsident hat angekündigt, die unter seinem Vorgänger Barack Obama als Lehre aus der globalen Finanzkrise verschärfte Regulierung wieder zu lockern.

Die Ablehnung von Trumps Klimapolitik rührt einerseits aus Imagegründen. Auch in den USA halten viele Bürger die Klimaerwärmung für besorgniserregend. Doch wichtiger sind andere Überlegungen in der größten Volkswirtschaft der Welt: "Unternehmen verstärken ihre Klimaschutz-Verpflichtungen, weil sie damit Geld sparen, ihre Risiken reduzieren und, was am wichtigsten ist: Es ist ein enormes Marktpotenzial", erklärt Kevin Moss vom Umweltschutzinstitut World Resources.

Auch in Industrie, Öl-, Kohle- und Gasbranche gibt es schwergewichtige Verfechter der Klimaschutzpolitik, ebenso wie Zauderer. Nach Trumps Ankündigung twitterte der Boss von General Electric, Jeff Immelt, die Industrie müsse nun unabhängig von der Regierung eine Führungsrolle übernehmen. GE will seinen Kohlendioxid-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent senken. Der Industrieverband NAM erklärt hingegen, er unterstütze den Geist des Pariser Vertrags, Teile des Abkommens seien aber ungerecht für die USA.

Und während Ölmulti Exxon Mobil meint, zum Kampf gegen den Klimawandel sei ein vertraglicher Rahmen notwendig, betont der Branchenverband American Petroleum Institute, er hätte keine offizielle Position zum Thema.