Washington. (ast) Reality Leigh Winner hat große blaue Augen und ein rundes Gesicht. Die mädchenhafte 25-Jährige betreibt Kraftsport und spricht Pashtu, Dari und Farsi. Die ehemalige US- Air-Force-Linguistin arbeitete für Pluribus International, einen privaten Dienstleister der US-Geheimdienste im Bundesstaat Georgia. In den sozialen Medien war sie als "Sara Winner" aktiv. Dort postete sie Videos über ihr Sporttraining und machte auch aus ihrer Kritik an der Trump-Regierung keinen Hehl.

Vergangenen Samstag nahm das FBI Winner fest, sie soll vertrauliche Informationen der Geheimdienste an Medien weitergegeben haben. Etwa eine Stunde, bevor das US-Justizministerium die Festnahme bekanntgegeben hatte, berichtete die Enthüllungsplattform "The Intercept" in einem Online-Artikel über ein Dokument des Geheimdienstes NSA. Aus dem Bericht vom 5. Mai 2017 gehe hervor, dass der russische Militärgeheimdienst mit Cyberangriffen versucht habe, im Vorfeld der US-Wahl im vergangenen Jahr auf die Wählerregistrierungssysteme Einfluss zu nehmen.

Laut mehreren US-Medien bestehe ein Zusammenhang zwischen dieser Veröffentlichung und der Festnahme Winners. Die "New York Times" berichtete etwa, Winner soll bei ihrer Festnahme zugegeben haben, dass sie ein Dokument vom 5. Mai weitergegeben habe. Die Webseite "The Intercept" gab jedoch lediglich an, es habe das Dokument anonym zugespielt bekommen.

Ein FBI-Agent wiederum soll in einer eidesstattlichen Erklärung angegeben haben, dass die Enthüllungsplattform die Regierung über den Erhalt der vertraulichen Information informiert habe. Die Ermittlungsbehörde habe dann herausgefunden, dass die Regierungsmitarbeiterin Kopien angefertigt habe und von ihrem Computer in der Arbeit aus mit dem Medium in Kontakt getreten sei. Der Anwalt der Frau wollte dies nicht bestätigen.

Wahlbehörden
wohl betroffen

Zur Motivation der mutmaßlichen Whistleblowerin ist bisher nichts bekannt. Zwei Tage nach ihrer Festnahme sei die junge Frau am Montag bereits angeklagt worden, berichtete der Sender CNN - der US-Bürgerin drohen demnach zehn Jahre Gefängnis für die Weitergabe von geheimen Informationen. Am Donnerstag soll sie erneut vor Gericht erscheinen.

Ist der NSA-Bericht keine Fälschung und stimmen die Einschätzungen der "Intercept"-Redakteure, war der Einfluss Russlands Militärgeheimdienstes auf die US-Wahl weitaus größer als bisher angenommen. "The Intercept" gab an, man habe die Authentizität des Berichts von einem unabhängigen Gutachter bestätigen lassen.