Jerusalem. In der Tempelberg-Krise in Jerusalem zeichnet sich eine Beruhigung ab. Die muslimische Führung in Jerusalem rief am Donnerstag zu einer Rückkehr der Gläubigen in die Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg auf. Dies beendet einen fast zweiwöchigen Boykott der heiligen Stätte.

Zuvor hatte Israel auch die letzten Kontrollmaßnahmen am Tempelberg entfernt, der Juden wie Muslimen heilig ist. Palästinenser feierten dies als Sieg. Israel hatte nach einem tödlichen Anschlag arabischer Attentäter in der Jerusalemer Altstadt, bei dem zwei Polizisten getötet wurden, unter anderem Kontrollen von muslimischen Gläubigen mit Metalldetektoren angeordnet. Die Palästinenser protestierten dagegen, weil sie dies als Versuch Israels werteten, mehr Kontrolle über den Tempelberg zu erlangen.

Auf dem Tempelberg stand einst der Jerusalemer Tempel, das Zentralheiligtum der Juden, der im Jahr 70 n. Chr. von den Römern zerstört wurde. Heute befinden sich auf der Anhöhe mit der Al-Aksa-Moschee und dem Felsendom wichtige Heiligtümer der Muslime, die den Hügel als "Al-Haram al-Sharif" (Edles Heiligtum) verehren. Die Juden beten an einem Mauerabschnitt am Fuß des Berges, der sogenannten Klagemauer - jenem allgemein zugänglichen Ort, der dem früheren Allerheiligsten am nächsten liegt. Dieser zentrale Raum des Tempels, der nur einmal im Jahr vom Hohepriester betreten werden durfte, lag vermutlich an der Stelle des heutigen muslimischen Felsendoms.